Teil eines Werkes 
3. Band (1826)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

203

Anblick ſchon ſo oft ihr tiefſtes Mitleiden er⸗ regt, ja, ihr oft zur Qual geworden war? Er ſchleppte ſein trauriges Daſeyn hin, weder Krankheit noch Tod, ſchien es, konnten den al⸗ ten gelaͤhmten Eiſengliedern nahen, ſein Geiſt war trotz des hohen Alters hell geblieben. Mit weicher, wehmuͤthiger Stimme fluͤſterte ſeine liebreiche Graͤſinn auf ihn ein:Es wird nun Alles gut werden, mein alter Freund, ſchloß ſie ihre Rede,Dir habe ich ja mein und meines Kindes Daſeyn zu danken, Eugenie iſt gluͤcklich, ich bin zufrieden. Siehe, das Leid iſt voruͤber gegangen, ſtill und freudig wol⸗ len wir nun in Caboga leben. Ihre weißen Haͤnde beruͤhrten ſchmeichelnd die gefurchte Stirn des Greiſes, als wollten ſie ihm die ttiefen Gramfalten derſelben glaͤtten und ſeine Thraͤnen trockneten ſanft.

In ihre Zimmer zuruͤck gekommen, fuͤhlte ſie ſich ſehr erſchoͤpft, ihre Kammerfrau brachte ſie zur Ruhe, doch nur kurz war der Schlaf, deſſen ſie genoß, fruͤh weckten ſie lebhafte Ge⸗ danken. Wunderbar hatte der Himinel zwei Geſchlechter, welche Liebe, Haß und wieder Liebe zuſammen fuͤhrte, ſchied und wieder ver⸗ einigte, durch die Zeit gefuͤhrt. Sie zweifelte keinen Augenblick mehr, daß der Fremde ihr