Teil eines Werkes 
3. Band (1826)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

192

die Bitte hinzu fuͤgte, derſelben noch an die⸗ ſem Abend ſehr wichtige und erfreuliche Briefe aus Frankreich uͤberreichen zu duͤrfen.

Joſephe ſaß einſam, wie gewoͤhnlich, in ihrem Zimmer, ſie ſchien von ihrer Krankheit geneſen, ſeit wenigen Tagen war die Graͤfinn Roſenberg mit ihrer Tochter nach Wien zu⸗ ruck gereiſt. Ihre Seele war weicher, milder, ja gluͤcklicher wie je geſtimmt. Wie es bei Menſchen nach einer uͤberſtandenen Krankheit oftmals der Fall iſt, daß mit dem Aufhoren korperlicher Schmerzen, indem alle Glieder ei⸗ ner ſanften Ermattung hingegeben find, auch die Schmerzen der Seele, ja jede Empfindung ſanf⸗ ter und milder wird: ſo war es auch bei ihr, der ſchwere Traum ihrer Jugend lag hinter ihr, ſie hatte mit dem Gluͤcke derſelben abgerechnet, fuͤr ſich Nichts mehr zu hoffen; ihre Tochter war gluͤcklich und ſo blickte ſie, wie ein abge⸗ ſchiedenes Weſen, gleichſam wie von einem an⸗

deren Sterne, auf die Leiden und Freuden der

Erde hin, nur noch ruͤckwirkend auf dieſelbe, in der Theilnahme und Sorge fuͤr Andere⸗ Foſephe hatte den Schall der Poſthoͤrner vernommen, der Diener, welcher jetzt zu ihr ins Zimmer trat, die fuͤr ſie von dem Frem⸗ den empfangenen Briefe zu uͤbergeben, wurde

.