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Der naͤchſte Morgen fand die junge Gräfinn am Schreibtiſche, den erſten Brief, den ſie je geſchrieben, an die muͤtterliche Freundinn auf⸗ zuſetzen.
Schloß Caboga im Mai 1808. Meine guͤtige Mutter!
„Ich ſehe, wie Du truͤbe die Blicke ſen⸗ keſt, wenn dieſer Brief ſtatt Deiner Joſe⸗ phe zu Dir gelangt, und ich weiß wahrlich nicht, wie ich Alles, was ich ſo lebendig fuͤhle und denke, mit todten Zeichen Dir aus⸗ druͤcken ſoll; ich weiß gewiß, Du wirſt einen großen Troſt in dieſen Zeilen finden, Du liebſt es ſehr, einander die Gedanken ſchrift⸗ lich mitzutheilen, ja, Du äußerteſt einmal, die Seele nahe ſich der geliebten Scele aus weiter Ferne oft inniger und unverhuͤllter durch die geiſtreiche Sprache der Schrift; indem die
korperliche Nähe zwei einander theurer Men⸗ ſchen den Geiſt zerſtreue, den Gedanken und
Gefuͤhlen Feſſeln anlege, und ſeinem freien
Aufflug wehre.— Ich theile Deine Meinung
nicht; ach, mir wäre ſo wohl, könnte ich
Auge im Auge Dir des neuen Lebens Luſt
und Wch erzaͤhlen, koͤnnte ich heute, wie in
goldenen Kindeszeiten, mein Haupt dabei an Deine friedliche Bruſt lehnen, Alles, was


