Teil eines Werkes 
2. Band (1826)
Entstehung
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ſelben ruhen? Sie äußerte ihre Beſorgniß ge⸗ gen den Kloſterverwalter, ohne ihm zu ſagen, daß es Joſephens Porträt ſei, welches er getragen.Ich gebe nichts auf abergläubige Sagen, Ruͤckwirkungen der Todten auf die Le⸗ bendigen, ſprach Cäcilie,ich bin in dieſer Hinſicht frei von jedem Wahne; doch iſt mir der Gedanke furchterlich, daß das Bild eines Lebenden mit dem Todten zugleich verweſen ſoll; ich beklage ſelbſt die friſche Bluͤhte, welche man dem Sarge in die dunkle Gruft nach wirft; warum zum Symbole des Schmerzes machen, was dem friſchen Leben angehort? Was ſoll dem Todten der Flitter, die Bluͤhte des Irdi⸗ ſchen? um ſeine kalte Stirn bluhen ſchon gei⸗ ſtige Blumen, ſeine Sinne ſind dem Vergaͤng⸗ lichen fuͤr immer geſchloſſen!

Bunte Todtenkränze und der Schmuck des Sarges, erwiederte der verſtaͤndige Mann, werden meines Bedünkens wohl mehr fuͤr die trauernden Nachgebliebenen als fuͤr den Todten ſelbſt gewunden; ich halte ſie fuͤr ein frommes Spielwerk, das den verſunkenen Sinn wieder empor richtet, und manches Herz bedarf ſolcher kleinlicher Anregungen, ſich zu ſammeln; nicht Alle, hochehrwuͤrdige Frau, tragen das Leid wie eine Fuͤrſtenkrone, die helle Strahlen um dad ge⸗