Teil eines Werkes 
2. Band (1826)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

183

dem⸗ Andenken Adolar's zu treiben ſchien, fuͤhlte ſich durch Cäciliens äußere Ruhe tief verletzt. An jedem Abende, ſo lange Adolar in der Todtenkammer lag, wallfahrtete ſie dort hin, und die Pfortnerinn ſchloß ihr willig die Thuͤr auf, doch zufaͤllig erzählte die geſchwätzige Alte dieſe ſonderbaren Beſuche Joſephens bei dem Todten einer andern Nonne, und Caͤcilie erfuhr dieſe Schwaͤrmerei ſogleich, und ob gleich ſie im Stillen den zarten Sinn, die Stimme des Blutes in dem Schweſterherzen anerkannte und ehrte: ſo wuͤnſchte ſie doch keine falſchen Ausdeutungen daruͤber von Andern zu verneh⸗ men;z und da der Sarg Adolar's an dieſem Tage in der Kirche vor dem Hochaltare aufge⸗ bahrt wurde, um am nächſten Morgen, nach⸗ dem die Seelenmeſſen fuͤr ihn gehalten worden, beigeſetzt zu werden: ſo gebot ſie, die Kirch⸗ thuͤre verſchloſſen zu halten.

Joſephe kam demnach ſpaͤt am Abend an die verſchloſſene Thuͤr und erfuhr von der Pfoͤrt⸗ nerinn, wie Cäcilie ihr geboten, die Kirche

Niemandem zu eroͤffnen. Das hielt Joſephen

indeſſen nicht ab, nahe der Kirche ihr nachtli⸗ ches Todtenopfer von Gebeten und Thranen zu halten, und hier fand ſie Cäcilie, welche jetzt begleitet von dem alten Kloſterverwalter, zur