Teil eines Werkes 
2. Band (1826)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

181

gegen ihn liegt noch auf meinem Herzen! ver⸗ goͤnne mir daher, an ſeinem Leichname zu beten! glaube mir, mein Herz bedarf dieſes Troſtes, wenn es ſich beruhigen ſoll! ſetzte ſie ſchmei⸗ chelnd hinzu. Brigitte erfullte ihr Begehr; ſie hielt es ſtraͤflich, der reuigen Jung⸗ frau Bitte zu verweigern, und erfreute ſich viel⸗ mehr an dem frommen Sinne derſelben.

Joſephe ſtand jetzt neben dem Todten; mit einer ſchöͤnen Beruhigung blickte ſie auf ſeine ſanften, friedlichen Zuͤge nieder; ſie fuͤhlte ihr Herz wie von einer ſchweren Laſt befreit, beruhigt ſchlug es in des todten Freundes Naͤhe, der, wie in einen ſuͤßen Schlummer hin gegoſ« ſen, da lag. Sie knieete hin und betete recht inbruͤnſtig fuͤr die Ruhe ſeiner Seele; ſie bat ihm jede Haͤrte, jedes Unrecht ab, feſt gelobte ſie ihm, ſein Andenken zu ehren. Erſt als ſie beim Abſchiede, auf der Pfortnerinn Erin⸗ nern, denn es war Joſephen, als koͤnne ſie von dem Todten nicht ſcheiden, ſeine Hand er⸗ griff, als ſie die Todtenkaͤlte derſelben fuͤhlte, warf ſich der Schmerz um ihn wieder ſchwer auf ihre Bruſt; tief betruͤbt wankte ſie in ihre Zelle.

Cacilie hatte ſich nach einigen Tagen aus ihrem Kummer aufgerichtet; mochten ſeine Kral⸗