Teil eines Werkes 
2. Band (1826)
Entstehung
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das Schloß; es war nicht zu oͤſſnen, und im heißen Schmerze uͤber den verſagten Wunſch knieete die ſtille Jungfrau weinend auf den kal⸗ ten Steinboden hin. Da weckte ein leiſes Ge⸗ raͤuſch hinter ihr ſie aus ihrem Kummer; ſie ſah ſich um, und eine Geſtalt bewegte ſich aus dem dunkeln Raume langſam gegen ſie her; ver⸗ zagend hob ſie die Arme wie Hilfe ſuchend em⸗ por, doch wenige Augenblicke ſpaͤter war ihre Furcht zerſtreut; es war die Pförtnerinn, welche ihr näher trat. Sie hatte naͤmlich in ihrer Zelle Geräuſch vernommen, und neugierig, den Grund ſo ſeltener Stoͤrung zu erfahren, war ſie in die WVorhalle getreten. Verwundert, Joſephen hier in ſö ſpäter Stunde zu finden, richtete ſie ihre Fragen an dieſelbe, doch Joſephe ſank ſtatt aller Antwort bebend in ihre Arme, und erſt nach einigen Minuten war ſie im Stande zu reden.Gute Brigitte, ſprach ſie leiſe, entſchuldige die Störung, den Schreck, den ich Dir gewiß verurſacht habe; aber mich treibt ein unbezwingliches Verlangen zu dem todten Ado⸗ lar. Du weißt es ja, wie lieb, wie theuer er Caͤcilien und mir, ach allen Menſchen war, die mit ihm gelebt. Er war mein Jugendge⸗ ſpiele, mein Freund, mein Lehrer, ach wie oft habe ich ihn betruͤbt, wie manche kleine Schuld