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Mit aufgelöſtem Haar, das weiße Morgen⸗ kleid nachlaͤſſig uͤbergeworfen, lag JFoſephe einige Stunden ſpäter knieend in der halbdun⸗ keln Zelle an Caͤciliens Lager; nur angſtvolle Seufzer verriethen noch den Schlag des ſo hart gedruͤckten Herzens. Zum erſten Male ſank die ſeelenſtarke Cäcilie unter irdiſchem Schmerze
zuſammen.— Ihr alterndes Herz, in einer
langen Reihe von Jahren nie ausruhend von den Stuͤrmen fruͤher Tage, war dem plötzlichen uͤber ſie herein gebrochenen Jammer nicht ge⸗ wachſen. Krampfanfalle, denen ſie fruͤher nie unterlegen, ließen fuͤr ihr Leben bangen, und da ſie ſchon ſeit einiger Zeit oft kränkelte, furchtete man däs Kußerſte fuͤr ſie. Joſephe ſchwamm in Thranen, ein doppeltes Leid warf ſeine ſchar⸗ fen Stacheln zu tief in ihr von jedem Kummer noch unberuͤhrtes Herz; nur die milden Tro⸗
ſtungen der frommen Kloſterſchweſtern wieſen
ihren thräͤnendunkeln Blick nach oben; die Kraft des Glaubens ließ ſie den verlornen Freund auf einer lichteren Höhe erblicken, wo ſein heiß be⸗ wegtes Herz die hienieden vermißte Ruhe ſin⸗ den ſollte. Caͤcilie wurde gegen Abend beſſer; der Schlaf entfuͤhrte ſie auf mehrere Stunden ihren Leiden, und Joſephe ſaß mit einigen Non⸗


