Teil eines Werkes 
2. Band (1826)
Entstehung
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Liebe fuͤr ſie empfand, faſt zur Leidenſchaftz die Stimme des Blutes riß ſie an ſein Herz, und der reinſte Kuß, den eine jungfräuliche Lippe je gegeben, brannte auf Adolar's liebeduͤrſten⸗ dem Munde.

Caͤcilie war während dieſer fluchtigen ſeligen Minute an das entferntere Ende des Zimmers getreten, aus ihrem Schreibtiſche einige ſchrift⸗ liche Aufträge an den Kloſterverwalter hervor nehmend, welche ſie Adolarn fuͤr dieſen mit geben wollte, daher hatte ſie den innigen Ab⸗ ſchied der beiden Kinder nicht bemerkt; gedan⸗ kenvoll empſing Asolar, wie im Traume auf ihre Worte lauſchend, was ſie ihm darreichte,

und ging, die Seele voll Qual und Luſt, nicht

nach ſeiner Wohnung, ſondern in den dunkeln Kloſtergarten zuruͤck.

Als am andern Morgen der Gaͤrtner ein⸗ trat, die Sandwege nahe dem Kloſter, wegen der gluͤhenden Sonnenhitze mit der Gießkanne zu beſprengen, lag Adolar bleich und kalt zwi⸗ ſchen den bunten Sommerblumen, welche unter Joſephens Fenſter dufteten. Der Morgenthau, aus ihren Kelchen gefallen, glänzte gleich Freu⸗ denthränen, in den goldenen Locken des Todten; mit zerſprungenen Saiten lag die Laute auf ſei⸗ ner Bruſt.

Zweiter Band⸗ M