Teil eines Werkes 
2. Band (1826)
Entstehung
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Augen, knieend vor Cäcilien hin ſank, und

ſich ihren Segen erbat.

Adolar, mein Segen begleitet Dich im⸗ mer, es bedarf nicht, daß meine Lippe ihn aus⸗ ſpricht; aber Deine kranken Schwärmereien äng⸗ ſtigen mich, ſprach Cäcilie etwas vorwurfs⸗ voll;noch einmal bitte ich Dich, meinen

Wuͤnſchen zu folgen. Sie kuͤßte ihn ſanft auf

die Stirn, und er wandte ſich zu Joſephen, ihr die Hand zum Abſchiede reichend. Foſephens Herz wollte zerſpringen. Ohne daß ſie es ſich bewußt war, rollten große Thrä⸗ nentropfen ihr uͤber die Wangen. Betruͤbe uns nicht, mein Freund! ſprach ſie wehmuͤthig. Du weinſt, Joſephe, ſprach Adolar ſanft, Du weinſt um mich? o weine nicht allzu ſehr; aber wenn ich fern bin, denke meiner, ge⸗ lobe mir das, vielleicht kehre ich nicht wieder; o goͤnne mir den Abſchiedsgruß in dieſer Stunde, ſie leuchtet mir doch ſo freundlich nicht wieder! Joſephe ſchaute mit milder Liebe auf ihn nieder, ach ſie wußte es, Adolar war morgen fern, ſie fuhlte es lebendig, dieſes ſei ſein Lebe⸗ wohl, und die frommen ſchweſterlichen Regun⸗ gen gegen den lieblichen Juͤngling, den ſie Freund nennen durfte, ſteigerten ſich durch das zaͤrtliche Mitleid, welches ſie uͤber ſeine hoffnungsloſe

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