36
den freien Sinn der jungen Schoͤnheit; ſie fand Gefallen daran, ſie gehoͤrten bald zu den Be— dingungen ihres Vergnuͤgens: indeß beruͤhrten alle dieſe, oft aus dem tiefſten, innigſten Em⸗ pfinden ausgeſprochenen Huldigungen, welche ſich, der Sitte jener Zeit anſchmiegend, immer nur unter leichten Taͤndeleien, bedeutungsvollen Ga⸗ lanterien verhuͤllen mußten, ihr Herz niemals; ein buntes, bluͤhendes Tulpenbeet ſchien ihr dieſe gaukelnde Maͤnnerſchaar; und unentweiht ſchlum— merten die heiligen Gefuͤhle unerwachter Leiden⸗ ſchaft unter der ſchimmernden Huͤlle, welche das zärtlichſte, wärmſte Herz bedeckte.
Indeß die keizende Eugenie ihr fröhliches Bluͤhtenleben hingaukelte, war Graf Bour⸗ donnaye ernſtlich darauf bedacht, die jetzt achtzehnjaͤhrige Tochter zu vermaͤhlen. Ein be⸗ deutender Werber hatte ſich fuͤr dieſe eingefun⸗ den, welcher alle Bedingungen erfuͤllte, die er von dem zukuͤnftigen Gemahle ſeiner Eugenie, nach ſeinen Anſichten, forderte. Einige bedeu⸗ tende Winke der Koniginn, gerade in der Zeit, als der Marquis Villangois dem Miniſter den Antrag gemacht hatte, ſtimmten ihn ſchon im Voraus guͤnſtig fur dieſen; und ſeine Freude uͤber den Werber wurde noch erhoht, als er ſich berzeugte, daß der Reichthum des Marquis


