Teil eines Werkes 
2. Band, Roderich Random : Roman : 2. Band (1840) The adventures of Roderick Random
Entstehung
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einer Erklärung zwiſchen ihr und dem Capitän, der ſein Un⸗ glück in der vergengenen Nacht beklagte, und wegen des Lärms, den er gemacht habe, um Verzeihung bat. Man kann ſich, als ſie zur Kenntniß des Vorgefallenen kam, ihren Aerger leicht vor⸗ ſtellen, ungeachtet jedes von ihnen einen beſonderen Kummer für ſich hatte; denn ſie war ſich's bewußt, mir nicht nur die Geheim⸗ niſſe ihres Verkehrs mit ihm verrathen, ſondern auch mich durch die Freiheiten, welche ſie ſich rückſichtlich meines Namens zu nehmen 3 erlaubt hatte, auch dergeſtalt erbittert zu haben, daß jede Ausſicht einer Verſöhnung für ſie verſchwinden mußte. Andrerſeits gab ihm ſeine Eiferſucht ein, ihr Kummer ſey nichts als Verſtellung, und ich hätte mit ihrer eigenen Einwilligung ſeine Stelle ausgefüllt. Daß dieß ungefähr ihre Gedanken waren, wird die Folge lehren, denn an demſelben Tage kam ſie in den Laden herab, wo ich allein 3 war, richtete ihre, in Thränen ſchwimmenden Augen auf mich, und ſeufzte dabei auf's Kläglichſte. Dagegen blieb ich in Erinnerung der Epitheta, womit ſie mich die Nacht zuvor beehrt hatte, und in der großen Ueberzeugung, die gute Aufnahme, welche ich ge⸗ noſſen, ſey für einen Andern beſtimmt geweſen, ungerührt bei ihrem Jammer, von dem ich keine Notiz nahm, wodurch ſie den Aerger 6 hatte, ihre Verachtung vierfach erwiedert zu ſehen. Indeſſen hielt ſie es von da an für gerathen, mich mit mehr 4 Artigkeit, als zuvor, zu behandeln, da ſie wußte, daß es jeder⸗ zeit in meiner Macht ſtehe, ihre Schande zu veröffentlichen. 1 Hiedurch bekam mein Leben mehr Angenehmes, obwohl ich es nicht über mich gewinnen konnte, meinen nächtlichen Beſuch zu wiederholen. Da ich täglich mehr die Stadt kennen lernte, ſo verwiſchte ſich allmählich mein plumpes Weſen, und ich erlangte den Charakter eines gewandten Apotheker⸗Gehülfen.