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des Zwieſpalts; allein ungeachtet meiner Wachſamkeit konnte ich Nichts enidecken, was einen ſonſtigen Verkehr zwiſchen ihnen bewies.
Unterdeſſen hatte ich Grund, anzunehmen, ich habe einem de Mädchen zärlliche Gefühle für mich eingeflößt, und benützte in einer Nacht, als meiner Vermuthung nach Alles im Schlafe lag, die Gelegenheit, die Früchte meiner Eroberung zu genießen, da ihre Bettgenoſſin den Tag zuvor nach Richmond, zu ihren Ver⸗ wandten, auf Beſuch gegangen war. Demgemäß ſtand ich auf, und verfolgte, nackt wie ich war, meinen Weg in der Finſterniß da⸗ hin, wo ſie lag. Ich war entzückt, die Thüre offen zu finden, und ging ganz ſachte an ihr Bett hin, in der angenehmen Hoff⸗ nung, meine Wünſche befriedigen zu können. Doch welche Eifer⸗ ſucht und welches Entſetzen ergriff mich, als ich ſie ſchlafend und in den Armen eines Mannes antraf, den ich leicht für den Diener des Capitäns anſehen konnte! Ich ſtand auf dem Punkte, einen raſchen Entſchluß auszuführen, als das Geräuſch einer, hinter dem Getäfel ſcharrenden, Ratte mich zur Flucht veranlaßte, und ich darauf bedacht ſeyn mußte, wieder ſicher in mein Beit zurück⸗ zugelangen.
Ob dieſes Geränſch mich verwirrt, oder das Schickſal meines Weges verfehlen ließ, weiß ich nicht; aber, anſtatt mich links zu wenden, als ich in den zweiten Stock hinabgieng, ſchlug ich den entgegengeſetzten Weg ein, und hielt der jungen Miß Schlafzim⸗ mer für das meinige. Ich bemerkte meinen Irrthum erſt, als ich
an die Bettpfoſten angerennt war, und da war es zu ſpät, denn
die Nymphe war erwacht, fühlte meine Nähe, und hieß mich mit leiſer Stimme, ich ſolle kein Geräuſch machen, damit der ſchotti⸗ ſche Gimpel im nächſten Zimmer uns nicht belauſche.
Dieſer Wink genügte mir, um mich über die Bedeutung die⸗ ſer Weiſung aufzuklären, und da meine Leidenſchaften, die ohne⸗ dieß leicht brausten, damals im Zuſtande der höchſten Gährung


