15
ſo betrachtete man mich in keinem andern Lichte, als dem eines gemeinen Dienſtboten, und ich war ſchon ſeit ſechs Tagen im Hauſe, ohne daß die Mutter oder die Tochter mich einer Anrede gewürdigt hätten, ja! die letztere hatte— die Mägde erzählten es mir— eines Tags bei Tiſche ihr Erſtaunen darüber bezeugt, daß ihr Papa ſolch einen linkiſchen und gemein ausſehenden Ge⸗ hülfen halten könne. Dieſe Nachricht wurmte mir, und da ich nächſten Sonntag ausgehen durfte, ſo kleidete ich mich in meinem neuen Anzug ſo vortheilhaft als möglich, und, Scherz bei Seite! machte keine üble Figur.
Nachdem ich den größten Theil des Tages in Geſellſchaft Strap's und einiger ſeiner Bekannten verbracht hatte, kam ich Nachmittags nach Hauſe, und wurde von der Miß hineingelaſſen, die, ohne mich zu kennen, ſich tief verbeugte, als ich in's Haus trat, worauf ich ihr mit einem gleichen Bücklinge erwiederte, und die Thüre zuſchloß. Unterdeſſen hatte ich mich umgedreht, und ſie ihren Irrthum bemerkt, worauf ſie die Farbe wechſelte, aber ſich nicht entfernte. Da der Weg ſchmal war, ſo konnte ich nicht wei⸗ ter gehen, ohne an ſie zu ſtoßen; ſo mußte ich denn bleiben, wo ich war, mit zu Boden gehefteten Blicken und einem von Ver⸗ legenheit glühenden Antlitz. Endlich kam die Eitelkeit ihr zu Hülfe; ſie entfernte ſich kichernd, und ich konnte ſie das Wort „über das Geſchöpf!“ ausſprechen hören.
Von dieſer Zeit an kam ſie fünfzigmal wohl des Tags in den Laden unter verſchiedenen Vorwänden, und bediente ſich mancher ſo freundlicher Mienen und Geberden, daß ich wohl ſah, ihre Meinung von mir habe einen Wechſel erlitten, und ſie halte mich im Ganzen für keinen unwürdigen Gegenſtand der Eroberung. Doch mein Herz war durch Stolz und Rache, welche die zwei Hauptſeiten meines Temperaments ausmachten, gegen ihre Reize ſo verhärtet, daß ich allen ihren Kunſtgriffen die Spitze bot, und,


