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unter dem Vorwande, eine Phiole zu dieſem oder jenem Gebrauch zu holen, und weil ſie vermuthete, ich bemerke es nicht, ſo er⸗ griff ſie die Gelegenheit, mir ſcharf ins Geſicht zu ſehen, und ent⸗ fernte ſich wieder mit einem ſtillſchweigenden, verächtlichen Blicke. Ich errieth leicht ihre Geſinnungen, und mein Stolz ließ mich den Entſchluß fäſſen, mit der nämlichen Gleichgültigkeit und froſtigen Miene ihr zu begegnen.
Mittags erfuhr ich von den Mägden, mit denen ich in der Küche aß, dieß ſey meines Herrn einzige Tochter, die einſt ein ſehr ſchönes Vermögen bekommen würde. Deßhalb und um ihrer Schön⸗ heit willen machten ihr viele junge Herren den Hof; ſie ſey zweimal ſchon auf dem Punkte geſtanden, ſich zu verheirathen, aber die Filzigkeit ihres Vaters, der ſich weigere, zur Vollziehung der Hei⸗ rath nur einen Schilling herzugeben, habe es jedesmal vereitelt. Darum benehme ſich auch das junge Fräulein gegen ihren Vater nicht mit der kindlichen Verehrung, welche man erwarten ſollte. Namentlich hege ſie die tiefſte Verachtung gegen ſeine Landsleute, indem ſie hierin mit ihrer, aus England gebürtigen, Mutter glei⸗ chen Sinnes ſei; und aus den Winken, welche ſie fallen ließen, ſchloß ich, die graue Stute ſey noch derbern Schlags— ſie ſey eine Dame hohen Geiſts, der ſich oft an ihren Untergebenen offen⸗ bare,— ſie liebe Zerſtreuungen, und betrachte das junge Fräu⸗ lein bei allen Parthien als ihre Nebenbuhlerin, was auch der wahre Grund ihrer Verſtimmung gegen einander ſey; denn hätte die Mutter ihr Intereſſe mit Wärme verfochten, ſo würde der Vater es nicht gewagt haben, ihre Bitte abzuſchlagen.
Befriedigt durch dieſe Mittheilungen machte ich bald ſelbſt
ehre Entdeckungen. Herrn Lavement's bedeutungsvolles Grinſen
gegen ſein Weib, wenn ſie anders wohin ſah, gab mir die Ueber⸗
zeugung, daß er mit ſeinem Looſe nicht ganz zufrieden ſey, und
aus ſeinem Betragen, in Gegenwart des Capitäns, ſchloß ich,
ſein hauptſächlichſter Kummer ſey Eiferſucht. Was mich anbelangt, „ 3
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