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trotz einiger von ihr gemachter Verſuche, nicht dahin gebracht wer⸗ den konnte, ihr die geringſte Aufmerkſamkeit zu ſchenken.
Dieſe Verachtung meinerſeits verbannte alle günſtigen Eindrücke für mich aus ihrem Herzen, und von nun an faßte die Wuth eines hintangeſetzten Weibes darin Wurzel; dieß gab ſich nicht nur in allen möglichen Einflüſterungen, welche ihre Bosheit ihrem Vater gegen mich in das Ohr blaſen konnte, ſondern auch darin kund, daß ſie ſolche knechtiſche Dienſtleiſtungen mir aufbürdete, wovon ſie glaubte, ſie würden meinen Geiſt demüthigen.
Namentlich befahl ſie mir einſt, meines Herrn Rock auszu⸗ bürſten; doch ich weigerte mich, und es erfolgte ein heftiger Wort⸗ wechſel, der damit endete, daß ſie in Thränen der Wuth ausbrach, als ihre Mutter dazu kam, und nach Unterſuchung der Sache ſich zu meinem Vortheile entſchied.
Doch verdankte ich dieſen Dienſt nicht einer Achtung oder Rück⸗ ſicht, welche ſie gegen meine Perſon hegte, ſondern nur dem Wunſche, ihre Tochter zu ärgern, welche bei dieſer Gelegenheit die Bemerkung machte, daß, hätten gewiſſe Leute auch noch ſo ſehr Recht, es gewiſſe andere Perſonen geben würde, welche ihnen nie⸗ mals Gerechtigkeit wiederfahren ließen; doch ſicherlich hätten ſie ihre Gründe dazu, die man wohl wiſſe, obwohl man ihre kleinen Kunſtgriffe verachte. Dieſes man und das Wort gewiſſe Per⸗ ſonen veranlaßten mich, das Betragen meiner Herrin in Zu⸗ kunft ſchärfer unter die Brille meiner Beobachtung zu nehmen, und bald kam ich auf die Vermuthung, ſie betrachte ihre Tochter als Nebenbuhlerin in ihrer Neigung zum Capitän O'Donnell, der im Hauſe wohnte. Unterdeſſen gewannen mein Eifer und meine Kenntniſſe mir die Zuneigung meines Herrn, der oft auf franzö⸗ ſiſch zu ſagen pflegte:„Mardi! c'est un bon garcon!“
Er hatte viele Geſchäfte; da aber ſeine Mitemigranten ihm
die meiſten gaben, ſo war ſein Verdienſt gering. Andrerſeits war aber ſeine Ausgaben für Arzneien auch unbedeutend; denn


