12 Fortſchritte, die ich unter ſeiner Leitung machen ſollte, nicht viel Mühe. Ungeachtet aller dieſer Schwierigkeiten und Mißgunſt des Schickſals ſchritt ich in der lateiniſchen Sprache ſchnell vorwärts; und ſobald ich erträglich ſchreiben konnte, überſchwemmte ich meinen Großvater mit einer ſolchen Menge von Briefen, daß er zu meinem Lehrer ſchickte, und ihn ſcharf tadelte, daß er auf meine Erziehung ſo viele Mühe verwende, da, wenn ich wegen Verfälſchung, wozu er mir die Anleitung gegeben habe, je dem Galgen verfallen ſollte, mein Blut über ihn kommen würde.
Der Pedant, welcher Richts mehr fürchtete, als die Ungnade ſeines Gebieters, verſicherte auf ſeine Ehre, daß des Knaben Ge⸗ ſchicklichteit mehr eine Frucht ſeines eigenen Talents und Fleißes ſei, als von einer Belehrung und Aufmunterung, die er erhalte, herrühre; daß, wenn er ihm auch ſein bisheriges Wiſſen nicht mehr nehmen könne, wollte man ihn nicht ermächtigen, deſſen Finger zu verſtümmeln, er wenigſtens mik Gottes Hülfe es unter⸗ nehmen wolle, ſeine künftigen Fortſchritte aufzuhalten. Und wirk⸗ lich führte er dies auch buchſtäblich aus: denn er ließ unter dem Vorwande, ich hätte an meinen Großvater beleidigende Briefe geſchrieben, einen Liſch mit fünf Löchern machen, durch welche er die Finger und den Daumen meiner rechten Hand zwang, und ſie mit einem Peitſchenſeile an meinem Handgelenke befeſtigte, ſo vaß er mich wirklich des Gebrauchs meiner Feder beraubte. Doch von dieſem Zwange wurde ich nach wenigen Tagen durch ein Er⸗ eigniß in einem Streite zwiſchen mir und einem andern Knaben erlöst. Dieſer hatte nämlich beleidigende Anſpielungen auf meine Armuth gemacht, worüber ich ſo erbittert wurde, daß ich mit einem Streiche meiner Zwangmaſchine ihm faſt den Hirnſchädel einſchlug, zum großen Schrecken meiner ſelbſt und der übrigen
Schüler, welche ihn blutbedeckt auf dem Boden liegen ließen, und
zum Schulmeiſter rannten, um ihn von dem Vorfalle zu benach⸗ richtigen. Für dieſes Vergehen erhielt ich eine ſo ſtrenge Züchti⸗


