Vom Grafen Sollogub. 129
lebendig, ſchloß die Augen auf ſeinem Hippogryphen.... Bereits fühlte er die Berührung der ſpitzen Krallen, der zottigen Pfoten, der ſtruppigen Flügel; ſchon ver⸗ ſengte ihm der heiße, giftige Athem des hölliſchen Hau⸗ fens Schultern und Rücken. Da erhob ſich der Tarantas abermals kühner als zuvor und entführte Jwan Waßil⸗ jewitſch den ſchreienden, ſcheltenden und fluchenden Ver⸗ folgern. Bereits waren ſie gänzlich zurückgeblieben und tobten nur noch aus der Ferne, doch lange gellte ihr Höllengeſchrei noch in Iwan Waßiljewitſch's Ohren, bis zuletzt der Flammenſchein verloſch und Alles ver⸗ ſchwand. Iwan Waßiljewitſch öffnete die Augen. Um ihn her war Alles finſter, doch ſchon fühlte er den Anhauch eines friſchen Windes. Allmälig begannen die Gewölbe der Grotte ſich zu erweitern und verſchmolzen zuletzt mit dem Firmament. Der Reiter fühlte, daß er im Elemente der Freiheit ſei, und wie der Tarantas hoch und immer höher im Steppengefilde des Himmels dahinſtürmte.
Plötzlich wurde das ganze Himmelsgewölbe mit blitzenden Strahlen übergoſſen. Iwan Waßiljewitſch beugte ſich über den Tarantas hinab und ſchaute mit Verwunderung in die Tiefe: Unter ihm breitete ſich ein unüberſehbares Panoram aus, welches immer heller Nord. Novellenbuch. W. 9


