Vom Grafen Sollogub. 145
modernen Bauten abermals jenes wunderbar eigenthüm⸗ liche Anſehen geben, welches die früheren Reiſenden meiſt in ſo große Verwunderung ſetzte. Warum dieſe ſeltſam phantaſtiſchen Formen beſeitigen, dieſe ſchuppen⸗ bedeckten Dächer, dieſe Thür- und Fenſtereinfaſſungen von Porzellan, dieſe Karnieſe von Flieſen, welche im Norden die Stelle von Stein und Marmor vertreten, wodurch die Gebäude einen ſo überraſchend ſeltſamen Anblick gewähren. Wird durch die Architektur in Ruß⸗ land die nationale Kunſt wieder eingeführt, ſo folgen vielleicht bald auch Malerei, Skulptur und Muſik nach. Während die erſtern das Leben und den Ruhm der Nation verewigen, ergreift die Muſik das Herz und feſ⸗ ſelt mit neuen Banden die Nation an ihre Heimat!..
Die Geſchichte des petſchoriſchen Kloſters iſt höchſt einfach. Aus altem Glanz und Reichthum verſank es in Armuth. In früheren Zeiten gehörten zu denſelben achttauſend Seelen und zahlreiche fromme Geber hinter⸗ ließen demſelben reiche Spenden, wie in den Kirchen⸗ büchern zu leſen, damit zu ihrem Gedächtniß Gebete geſprochen würden. Die reichen Ländereien fielen im Laufe der Zeit andern Beſitzern anheim, die freigebigen Spenden hörten auf, nur die frommen Gebete blieben wie früher. Das älteſte Kirchenbuch des Kloſters,
Nord. Novellenbuch. III. 10


