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wird andere Sitte, anderes Leben vorgeführt. Das Geripp einer untergegangenen Vorzeit ſteigt vor uns aus dem Grabe empor. Man erblickt die alten Kir⸗ chengewänder und Geräthe, die alten Kirchenannalen. Inmitten der halbverfallenen Gebäude durchlebt man auf's Neue das Leben der Vergangenheit, und die ſpär⸗ lichen Ueberreſte nationaler Kunſt klagen gleichſam trauernd die unverzeihliche Vernachläſſigung der Nachkommen an.
Wohl gab es eine Kunſt in der ruſſiſchen Vorzeit, und wenn auch nicht äußerlich vollſtändig entwickelt, doch mindeſtens aus künſtleriſchem Verſtändniß und Richtung erſichtlich. Die alten Geſänge, Heiligenbilder, die mit Malereien verzierten Handſchriften dienen als Beweiſe dafür. Auch die Architektur hat bedeutende Spuren hinterlaſſen und in ſolchem Ueberfluß, in ſol⸗ cher Vortrefflichkeit, daß die moderne Baukunſt, welche Originalität, Karakter und Schönheit verloren und ruſ⸗ ſiſchem Geiſte und Bedürfniß fremd geworden iſt, im Vergleich damit nur einen kläglichen Eindruck macht. Die Frage: ob überhaupt eine nationale Baukunſt in Rußland möglich, und wie deren Elemente ausfindig zu machen, deren Regeln zu begründen ſeien?— läßt ſich einfach damit beantworten, daß dieſelbe nur ver⸗ mittelſt des Studiums und der Erforſchung der noch


