Vom Grafen Sollogub. 133
man wirklich in Rußland nicht leben könnte, daß ſie immer draußen im fremden Lande herumhocken. Wahr⸗ ſcheinlich muß es dort ſehr kurioſe Dinge geben, das heißt ſo kurios, daß man ſich keinen Begriff davon ma⸗ chen kann. Sag mir doch, Brüderchen, gehen ſie denn im Auslande auch ſo auf zwei Beinen wie bei uns?
— Ganz ſo.—
— Du ſpaßeſt. Sie gehen ganz ſo einher und heirathen und ſterben ebenſo?—
— Ganz wie bei uns.—
— Was Du nicht ſagſt. Wenigſtens aber gibt es dort keine Bettler, keine Bedrückungen, keine Hun⸗ gersnoth?—
— Alles das giebt es auch im Auslande.—
— Iſt's möglich! Nun ſag mir doch wenigſtens, was haſt Du denn ſo beſonders Merkwürdiges im Aus⸗ lande wahrgenommen?—
— Rußland!— erwiderte Jwan Waßiljewitſch.
— Sieh mir Einer an! Da ſcheint mir's, hätte man nicht nöthig, ſich die Mühe zu machen und ſo weit zu reiſen?...
— Im Gegentheil. Rußland vermag man nur zu begreifen und in ſeinem Werthe zu erkennen, wenn man andere Länder geſehen hat.—


