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Erzählungen / von Julius Gr. v. Soden
Entstehung
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mit dem größten Vergnügen, aber man führte mich in eine andere Gallerie, wo ich ſie wie⸗ der antraf. Sie war in einem großen Bilde, im Gefolge der Königin Eliſabeth gemalt. Die⸗ ſes iſt die Königin Eliſabeth, eine Tochter Hein⸗ richs des Zweyten, Königes von Frankreich, welche Philipp der Zweyte, König von Spa⸗ nien, ſelbſt heurathete, anſtatt ſie dem Don Karlos, ſeinem Sohne, dem ſie verſprochen war, zu geben. Die Königin hielt ihren Ein⸗ zug zu Pferde, wie die Gewohnheit iſt; ich fand die Fürſtin von Eboly, neben der Köni⸗ gin, nicht ſo glänzend, als ſie mir auf dem Bilde, wo ſie allein vorgeſtellt war, geſchie⸗ nen hatte. Hieraus kann man einen Schluß auf die Schönheit dieſer jungen Königin machen. Sie trug ein Kleid von blauen Atlas, übrigens aber war ſie völlig ſo geputzt, wie ich Ih⸗ nen die Gräfin von Lemos beſchrieben habe. Der König ſahe ſie von einem Balcon herab, vorbey reiten. Er war ſchwarz gekleidet und trug die Ordenskette vom goldenen Vließ am Halſe; ſeine Haare waren roth und grau; ſein Geſicht lang, blaß, alt, runzlich und häßlich. Der Infant Don Karlos begleitete die Köni⸗ gin. Er war ſehr weiß, hatte einen ſchönen Kopf, blondes Haar, blaue Augen und ſah die Königin mit einem ſo rührenden Schmach⸗ ten an, daß man ſiehet, der Maler hat das