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Geheimniß ſeines Herzens ergründet, und hat es wollen ausdrücken. Sein Kleid war weiß, und mit Edelgeſteinen beſetzt. Er trug ein geſchliztes Wams und einen kleinen Hut, der auf der Seite aufgeſchlagen und mit weiſſen Federn bedeckt war. In eben der Gallerie ſahe ich ein anderes Gemälde, welches mich ſehr rührte: Es war der ſterbende Prinz Don Karlos. Er ſaß in einem Armſtuhle, einen Arm auf den Tiſch, der vor ihm ſtund, ge⸗ ſtützt; ſeinen Kopf hatte er in die Hand ge⸗ legt, in der andern Hand hatte er eine Feder, als wolle er ſchreiben. Vor ihm ſtund ein Gefäß, worinnen man noch etwas von einem braunen Tranke ſahe, und dem Vermuthen nach war es Gift. Weiter hin ſahe man das Bad für ihn zubereitet, worinnen ihm die Adern ſollten geöffnet werden. Der Maler hatte den Zuſtand vollkommen gut vorgeſtellt, worinnen man ſich, bey einer ſo traurigen Gelegenheit befindet; und da ich die Geſchichte dieſes un⸗ glücklichen Prinzen geleſen hatte und davon war gerührt worden; ſo kam es mir in der That vor, als ob ich ihn itzt würde ſterben ſehen.“


