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welches an einigen Baumäſten befeſtigt iſt. Es ſcheint, daß ſie eben das Bett verlaſſen
hat; denn ſie hat nichts an, als ein Hemd von
ſehr feiner Leinewand, welches einen Theil ih⸗ res Leibes ſehen läßt. Wenn dieſer ſo ſchön war, als er in dieſem Bilde ſcheint, und wenn
ihre Züge ſo regelmäßig waren, ſo muß man
glauben, daß ſie die reizendſte unter allen Frauen geweſen iſt. Ihre Augen ſind lebhaft und voller Verſtand, daß man denkt, ſie werde den Augenblick anfangen zu ſprechen. Bruſt, Arme, Füße und Beine ſind blos; ihre Haare fallen über ihren Buſen herab und kleine Lie⸗ besgötter, die in allen Ecken des Gemäldes angebracht ſind, beeifern ſich, ſie zu bedienen. Einige haben ihren Fuß und ziehen ihr einen römiſchen, hohen Schuh an; Andere ſtecken Blumen in ihr Haar, noch Andere halten ihr einen Spiegel vor. In der Ferne ſiehet man welche, die ihre Pfeile zuſpitzen, indem die andern ihre Köcher damit anfüllen, und ihre Bogen ſpannen. Ein Faun betrachtet ſie durch die Zweige; ſie wird ihn gewahr und zeigt ihn einem kleinen Liebesgotte, welcher ſich auf ihre Kniee ſtützt und weint, als ob er ſich vor dem Faun fürchtete; darüber ſcheint ſie zu
lachen. Der ganze Ramen iſt von ausgeſtoche⸗
nen und an vielen Orten vergoldetem Silber. Ich blieb lange Zeit ſtehen, und betrachtete ſie„


