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Erzählungen / von Julius Gr. v. Soden
Entstehung
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Feinde des Ermordeten; doch wagte er nicht, es zu verſagen. Die Geſchichtſchreiber lobten ihn vorzüglich wegen der Seelenruhe, die er am Begräbnißtage zeigte. Er ſah dem Leichen⸗ zuge aus einem Fenſter des Pallaſtes zu und entſchied augenblicklich einen Rang⸗Streit der ſich unter einigen Staats⸗Räthen erhoben hatte. Die zwey Söhne Kaiſer Karls, die ſich damals am Hofe befanden, giengen als Leidtragende mit. Als der Zug ſich der Kirche nahte, ent⸗ fernte ſich der Kardinal Spinoza, der unmit⸗ telbar hinter der Leiche gieng, unter dem Vor⸗ wande von Kopfſchmerzen.

Allein er war als der gefährlichſte und un⸗ verſöhnlichſte Feind des Prinzen bekannt; man hörte alſo mehrere Stimmen ausrufen:Er habe die Gegenwart des Prinzen weder im Leben noch im Tode dulten können.

Die allgemeine Theilnahme und das Stre⸗ ben nach Erleichterung des Schmerzes war auf dem prachtvollem Mauſoläum ausgedrückt, in welches der Prinz geleßt wurde. Der Sinn der lateiniſchen Grabſchrift war:

Zum ewigen Gedächtniß Karls, Prinzen von Spanien, beyder Sicilien, der Nieder⸗ lande, Erben der neuen Welt; des unver⸗ gleichbaren in Seelengröße, Edelmuth und Wahrheitsliebe.

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