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Erzählungen / von Julius Gr. v. Soden
Entstehung
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kis Poſa nach Alkala gebracht hatte und den Don Karlos nie zurück geben wollte.

Die Königin hatte ihn in der erſten Ergieſ⸗ ſung des Schmerzes über den lebensgefährli⸗ chen Zufall des Prinzen geſchrieben. Sie glaubte nicht, dasjenige was ſie an einen Mann ſchrieb, deſſen Tod gewiß ſchien, könne von Folge ſeyn und eine andere Wirkung haben, als ihm ein ruhiges Ende zu gewähren. Sie hatte ſich alſo der ganzen Zartheit ihrer Gefühle über⸗ laſſen und die geheimſten Empfindungen ihres Herzens mit all der Gluth ausgeſprochen, die eine ſo traurige Begebenheit ihr entlocken mußte. Doch ohne irgend eine Aeußerung, welche ihre Ehre und ihr Pflichtgefühl verletzt hätte. Der König zog daraus ganz andere Folgerun⸗ gen. Seine Wuth war von einem ſo heftigen Schmerz begleitet, daß nur die in ſolchen Ge⸗

legenheiten ſo natürliche Rachgier ihm das Le⸗

ben erhalten konnte.

Doch er überdachte ſogleich, daß die welche ihn ſo furchtbar beleidigt hatten, in ſeiner Gewalt ſeyen. Dieſe Idee weckte ſtatt ſeiner anfänglichen Wuth eine barbariſche Freude und wandelte ſeine Verzweiflung in die Ruhe des Schreckens.

Am nämlichen Tage wurde Montigni ver⸗ haftet und verlor bald darauf ſeinen Kopf auf

v. Soden's Erzähl. II. 18