Druckschrift 
Erzählungen / von Julius Gr. v. Soden
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 261—

teten vergebens gearbeitet zu haben, wenn ſie ihn wiederſähe und ſie würde alle ihm beyge⸗

Prachte Eindrücke wieder verlöſchen. Sie hielten

es mindſtens für möglich, und glaubten, nichts dem Zufall überlaſſen zu dürfen.

Um nun der Königin die Gelegenheit zu entziehen, in Einer Nacht ihr mühſames Ge⸗ webe zu zerſtöhren, verfielen ſie auf ein Mit⸗ tel, das lächerlich ſcheinen würde, wäre es nicht gelungen.

Während der Reiſe des franzöſiſchen Hofs an die Ufer der Loire, zur Zeit Franz des zweyten, gieng das Gerücht, man ſuche Kin⸗ der auf, um in ihrem Blute den jungen König zu baden, der mit einem Uebel behaftet ſeyn ſollte, das mit dieſem ſonderbaren Mittel ge⸗ peilt werde. Es gab ſogar Perſonen, welche eine Tagreiſe vor dem Hofe voraus giengen und die Kinder in den Orten, durch welche er kommen ſollte, aufzeichneten, die zu jener Kur tauglich waren.

Dieſe verbreiteten auf ihrer Reiſe ſolchen Schrecken, daß jedes ſeine Kinder verbarg. Als die Königin⸗Mutter die Urheber dieſes ent⸗ ſetzlichen Gerüchts entdeckte, ließ ſie einige er⸗ greifen. Sie erklärten vor ihrem Tode, von

wem ſie dazu beſtellt ſeyen; aber die, welche