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Erzählungen / von Julius Gr. v. Soden
Entstehung
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* angab, ſchien auch die Saiten ihres Gemüths zu berühren. Er glaubte ſein Ideal gefunden, glaubte ſich geliebt und gab Amalien ſeine Hand.

Die Küßwochen verſchwanden, gleich einem ſchönen Frühlingstraum. Die Maske fiel. All⸗ mählich entfaltete ſich in Amalien ein neues Weſen. Sie langweilte ſich auf den Gütern ihres Gemahls. Man zog in die Reſidenz. Die ſtillen, häußlichen Freuden machten Aſſam⸗ bleen, Bällen, dem Spiele, den Courmachern, und endlich Galanterieen und Intrignen Platz, die Edmunds Ehre bedrohten.

Edmund, der unglückliche Edmund, ſah ſich furchtbar getäuſcht. Zwei Jahre rang er, dul⸗ dete er; endlich entfloh ſeine Gemahlin mit einem Abentheurer; er wurde geſchieden, und war nun wieder allein.

A.

Tief hatte zwar dieſe ſchreckliche Erfahrung ihn gebeugt, aber ſein ſtürmiſches Sehnen nach Liebe blieb, zu ſeiner Pein. In der Ferne hoffte er endlich das Ideal ſeiner Sehnſucht zu fin⸗ den, die ſchönen Träume ſeines poetiſchen Ge⸗ müths zu verwirklichen. Er beſchloß, zu reiſen.

v. Soden's Erzaͤhl. II. 3