„Wie iſt es möglich, das reizendſte, edelſte „und liebenswürdigſte Weib nicht zu beglücken, „da ſie ihren Mann zum glücklichſten Gatten „machen muß?“
„Sie ſchmeicheln, Herr Hofrath! Aber, wie dem auch ſei, er iſt es nicht. Unſere Seelen haben ſich nie verſtanden, konnten ſich nie ver⸗ ſtehen; dies, nicht die Verſchiedenheit des Alters trennt uns. Vergebens verſuchte ich's die Rinde zu durchbrechen, die ſich über ſein Herz gezogen hat. Vergebens! Sie, Herr Hofrath, ſind hier, um ſeine öffentlichen Handlungen zu prüfen. Ich hoffe, ich wünſche, daß Sie ihn nicht ſchuldig finden; aber kaum wag' ich es zu glauben. Ich ahne, ich fürchte das Schrecklichſte.“——— „Ich weiß es,“ fuhr ſie nach einer durch Thrä⸗ nen veranlaßten Pauſe fort,„ich weiß es, Sie müſſen Ihre Pflicht erfüllen, aber Ihr Auge verbürgt mir Ihr fühlendes, wohlwollendes, theilnehmendes Herz. Die Ehre meines Gatten iſt die meinige. Dieſe ſchuldloſe Geſchöpfe ſind ein Theil ſeines Weſens. Er kann ſtrafbar ſeyn, er kann ſinken; aber welches auch ſein Schickſal ſey, ich werde den Muth haben, der edeln Spartanerin Chelonis nachzuahmen— ich werde es theilen!— Nicht Pflichtverletzung, aber Theilnahme, Schonung, Milde iſt es, was


