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zuſammengeſetzt iſt, bereichert mit den faulenden Leichnamen von Menſchen und Thieren, und vermiſcht mit dem Spühlig aus allen Waſchhäuſern, Göſſen und Siedereien in der ganzen Stadt.
Dieß iſt das liebliche Getränke, das die Londoner als das herrlichſte von der Welt ausſchreien. Was das berauſchende Ge⸗ bräu betrifft, das man für Wein verkauft, ſo iſt dieß ein garſti⸗ ger, ungeſunder und unſchmackhafter MWiſchmaſch von Apſfelmoſt, Fruchtbranntwein und Schleenſaft. Bei einer gerichtlichen Klage, die ein Weinhändler gegen einen Karrenbauern erhob, der einem Faß Wein den Boden ausgeſtoßen hatte, ergab ſich aus dem Zeug⸗ niſſe des Küfers, daß in der ganzen Tonne, die über hundert Maß enthielt, nicht mehr als fünf Maß wirklicher Wein waren, und auch dieſer war ſchon von dem Kaufmann in Oporto getauft und verfälſcht. Das Brod, das ich in London zu eſſen bekomme, iſt ein unverdauliches Gemenge von Mergel, Alaun und Knochen⸗ mehl, unſchmackhaft wie Hobelſpäne und zerſtörend für die Geſund⸗ heit. Die guten Leutchen wiſſen wohl, daß es verfälſcht iſt, aber ſie ziehen es doch dem geſunden Brode vor, weil es weißer iſt als das von Weizenmehl. So opfern ſie Geſchmack, Geſundheit und das Leben ihrer zarten Kinder der höchſt einfältigen Befriedigung eines unverſtändigen Auges; der Müller ſowohl als der Bäcker muß ſie und ihre Familien vergiften, wenn er von ſeinem Hand⸗ werk leben will. Dieſelbe ſchauerliche Dummheit entwickeln ſie bei ihrem Rindvieh, das durch wiederholte Aderläße und andere derartige Spitzbubenkniffe ſo zugerichtet wird, daß kein Tröpfchen Saft mehr im Körper übrig bleibt, und das arme Thier an der Schwindſucht ſterben muß; dadurch geht dann alle Schmackhaftig⸗ keit, Nahrhaftigkeit und aller Saft ſo gründlich zum Teufel, daß man eben ſo gut ein Ragout von weißgegerbten Handſchuhen oder italieniſchen Strohhüten eſſen könnte.
Wie ſie von ihrem Brod, Schlachtvieh, Geflügel, von ihren Cotelettes, Ragouts, Fricaſſeen und allen möglichen Brühen die


