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ich mitten unter ehrlichen Leuten und zuverläßigen Hausgenoſſen, von denen ich mir ſchmeichle, daß ſie eine uneigennützige Liebe für meine Perſon hegen. Sie ſelbſt, mein lieber Doctor, können für die Wahrheit dieſer Behauptungen bürgen.
Wie ganz anders iſt das Alles in London! Da bin ich in enge Zimmer eingezwängt, wo ich kaum Platz genug habe, einen Hund tanzen zu laſſen; ich athme den Oualm von endloſer Fäul⸗ niß, der ſicherlich eine Peſt herbeiführen würde, wäre er nicht noch von der groben Säure der Steinkohlen geſchwängert, die aber ebenfalls für einigermaßen zarte Lungen im höchſten Grade ſchäd⸗ lich iſt. Aber ſelbſt dieſes ſo geprieſene Gegenmittel kann die Ein⸗ wohner Londons nicht vor dem ſchmachtenden, bleichen Ausſehen bewahren, das ſie von den vollblütigen, kräftigen Jünglingen un⸗ terſcheidet, die auf dem Lande leben. Hier gehe ich erſt nach Mit⸗ ternacht zu Bette, abgemattet und entkräftet von den Zerſtreuungen des Tags. Alle Stunden werde ich aus dem Schlafe aufgeſchreckt durch das ſcheußliche Gelärme der Rachtwächter, die in der ganzen Stadt ausſchreien, was die Glocke geſchlagen, und mit ihren Stangen an alle Hausthüren donnern: ein Corps von nichtsnutzi⸗ gen Schlingeln, die keine andere Beſtimmung zu haben ſcheinen, als die Leute in ihrer Ruhe zu ſtören; um fünf Uhr werde ich von dem noch abſcheulichern Tumult aus dem Bette gejagt, welchen die Bauernkarren und Gemüſehändlerinnen verführen, die unter meinen Fenſtern mit kreiſchenden Stimmen grüne Erbſen, Kohl⸗ raben und was weiß ich Alles ausrufen. Will ich Waſſer trinken, ſo muß ich mit dem eckelhaften Zeug aus einer offenen Waſſer⸗ leitung vorlieb nehmen, die auf jede mögliche Art verunreinigt werden kann, oder muß ich gar Flußwaſſer aus der Themſe ſchlucken, worin ſich aller Unrath von London und Weſtminſter anhäuft; menſchlicher Auswurf iſt bei weitem nicht das Schlimmſte in dieſer Maſſe, die aus allerlei Kehrigt, Mineralien und Giften, welche die Handwerker und Fabrikanten zu ihren Geſchäften brauchen,


