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ſcheiden kann.“—„Erlauben's, Euer Gnaden, ſo wird doch die Sprache der gemeinen Leute frei von Sünde, und am Tage des Gerichts wird kein Anſehen der Perſon ſtattfinden.“
Als Humphry hinabging, um eine Flaſche Wein zu holen, wünſchte mein Oheim ſeiner Schweſter Glück, daß ſie einen ſolchen Reformator im Hauſe habe, worauf Tante Tabitha erklärte, es ſey ein artiger, geſitteter Burſche, ſehr ehrerbietig und ſehr fleißig, und, wie ſie glaube, obendrein auch ein guter Chriſt. Man ſollte faſt glauben, Klinker beſitze ganz außerordentliche Talente, daß er ſich bei einer alten Jungfer von ihrer Gemüthsart, die ohnehin durch Vorurtheil und Rachſucht gegen ihn eingenommen war, dermaßen einzuſchmeicheln wußte; allein im Grunde kommt dieß wohl daher, daß Fräulein Tabitha ſeit dem Auftritt in Salthill wie ein umgekehrter Handſchuh iſt. Sie ſchilt das Geſinde nicht mehr aus, während dieſe Leibesbewegung ihr doch zur Gewohnheit geworden war, und ſogar zu ihrer Geſundheit nothwendig ſchien; auch iſt ſie gegen ihren Joly ſo gleichgültig geworden, daß ſie ihn der Lady Griskin geſchenkt hat, welche dieſe Race in die Mode bringen will. Dieſe gnädige Dame iſt die Wittwe des Sir Timotheus Griskin, eines weitläufigen Verwandten von uns. Sie beſitzt eine jährliche Rente von fünfhundert Pfund, weiß es aber ſo einzurichten, daß ſie dreimal ſo viel verbraucht. Vor ihrer Verheirathung war ihr Ruf etwas zweideutig; jetzt aber gibt ſie den guten Ton an, hält Spielgeſellſchaften, ladet auserwählte Freunde Abends zum Eſſen ein, und empfängt Beſuche von den vornehmſten Leuten. Gegen uns Alle war ſie immer außerordent⸗ lich höflich, und beſonders meinem Oheim begegnet ſie mit aus⸗ gezeichneter Achtung; allein je mehr ſie ihn ſtreichelt, je ſtarrer ſcheint er ſeine Borſten emporzuſtrecken; er antwortet auf ihre Complimente immer ſehr lakoniſch und trocken. Vor einigen Tagen ſchickte ſie uns einen Korb ſehr ſchöne Erdbeeren, den er nicht ohne Zeichen des Widerwillens annahm und dabei die Worte


