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recht eigentlich an zu verbauern. Indeß habe ich wenigſtens Muße genug, die Sonderbarkeiten im Charakter meines Oheims wahrzu⸗ nehmen, die Ihre Neugierde erregt zu haben ſcheinen. So viel kann ich ſagen, daß ſeine Gemüthsart und die meinige, die ſich Anfangs wie Eſſig und Oel gegenſeitig abſtießen, nunmehr durch fleißiges Quirlen ſich zu vermiſchen begonnen haben. Früher war ich geneigt, ihn für einen vollſtändigen Cyniker zu halten, der ſich blos durch ſeine eigenen Bedürfniſſe beſtimmen laſſe, länger in der Geſellſchaft auszudauern. Jetzt bin ich anderer Meinung. Ich denke, ſein mürriſches Weſen rührt theils von körperlichen Schmer⸗ zen, theils von einer ihm angebornen allzugroßen Empfindlichkeit her; denn meiner Anſicht nach können ſowohl Seele als Leib mit gar zu ſcharfer Reizbarkeit ausgeſtattet ſeyn.
Vor einigen Tagen hatte ich meine eigene Luſt an einer Unter⸗ redung, die er im Brunnenſaale mit dem weltberühmten Doctor L.führte, welcher jeden Tag herbeiſtürmt und nach Patienten haſcht. Mein Oheim beklagte ſich über den Geſtank in Folge des vielfachen Schlamms und Moders, den der Fluß bei niedrigem Waſſer unter den Fenſtern des Brunnenſaales zurückläßt. Er be⸗ merkte, die Ausdünſtungen von ſolchem Unrath müſſen offenbar nachtheilig auf die Lungen der vielen Schwindſüchtigen wirken, die hieher kommen, um den Brunnen zu brauchen. Der Doctor, der dieſe Aeußerung von Ferne hörte, kam auf ihn zu und verſicherte ihn, er irre ſich. Er ſagte: die Menſchen im Allgemeinen laſſen ſich von ſo vielen Vorurtheilen blenden, daß alle Philoſophie kaum im Stande ſey, ſie zu enttäuſchen. Sofort begann er nach drei⸗ maligem Räuſpern mit der lächerlichſten Ernſthaftigkeit im Geſicht eine gelehrte Abhandlung über die Natur des Geſtanks. „Stinken,“ ſagte er,„bedeute Nichts mehr und Nichts weniger als einen ftarken Eindruck auf die Geruchsnerven, und man könne dies Wort auf Subſtanzen der entgegengeſetzteſten Art anwenden; in der holländiſchen Sprache z. B. ſage man Stinken ſowohl von dem


