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wurde, ſchien ſie bei dem Aufruhr in ihrem Innern, den Zärtlichkeit und Schaam ihr verurſachten, beinah' zu Boden zu ſinken. Als Peregrine ſie in dieſem Zuſtande erblickte, gehorchte er dem Triebe ſeiner Leidenſchaft, und ſchloß die Zauberin in ſeine Arme, ohne da⸗ für im Mindeſten durch einen finſteren Blick oder eine andere Aeuſ⸗ ſerung des Mißvergnügens beſtraft zu werden. Alle Vergnügungen ſeines Lebens waren mit der unausſprechlichen Freude, die er in dieſer Umarmung genoß, nicht zu vergleichen Er war einige Minuten lang ganz außer ſich, hing mit aller Trunkenheit der Liebe an ihren ſchwellenden Lippen, ſein Gehirn ſchien im Taumel der Wonne um⸗ herzukreiſen, und er rief im Wahnſinn des Entzückens:„Himmel und Erde! dieß iſt zu viel!“
Sophie ſchlug ſich deßhalb in's Mittel, theilte ſeine Aufmerk⸗ ſamkeit, und ſpannte ſeine Imagination einigermaßen durch den freundlichen Verweis herunter, daß er ſeine alten Freunde ganz überſähe. Auf dieſe Anrede ließ er den holden Gegenſtand fah⸗ ren, den er umarmt hielt, machte der Miſtriß Gauntlet ſein Compliment, und bat wegen dieſer Vernachläßigung um Verzeihung.
„Meine Unart,“ ſetzte er hinzu,„iſt zu entſchuldigen, wenn Sie die lange und unglückliche Verbannung von dem Kleinod meiner Seele zu erwägen belieben.“ Sodann wandte er ſich zu Emilien, und ſagte zu ihr:„Ich bin gekommen, Miß, um die Erfüllung des Verſprechens zu verlangen, das ich von ihrer eigenen ſchönen Hand aufzeigen kann. Setzen Sie daher nur alle überflüſſigen Ceremonien und alle unnöthige Schüchternheit bei Seite! Krönen Sie ohne ferne⸗ ren Aufſchub meine Wünſche! Denn bei Gott, alle meine Gedanken ſchweben auf dem äußerſten Gipfel der Erwartung, und ich werde zuverläßig wahnſinnig, wenn ich zu einer Probezeit verdammt werde.“
Indeß hatte ſich ſeine Gebieterin wieder geſammelt, und verſetzte mit einem ſehr aufmunternden Lächeln:„Ich ſollte Sie für Ihre Hartnäckigkeit billig mit einer Probezeit von zwölf Monaten be⸗ ſtrafen. Allein bei einem Bewunderer von Ihrem Charakter iſt ein


