39
So hatte er, ehe er noch die Wohnung des Kaufherrn erreichte, ſich eine ſehr künſtliche und pathetiſche Rede ausgeſonnen, die er zu ſeiner Vertheidigung vortragen wollte. Er ſchob darin alles Tadelns⸗ würdige ſeines Betragens auf die Heftigkeit ſeiner Liebe, und auf das Uebermaß des genoſſenen Burgunders. Doch fand er keine Ge⸗ legenheit, ſeine Studien an den Mann zu bringen.
Emilie, die wohl vermuthete, daß Pickle einen ſolchen Schritt thun würde, ihre Gewogenheit wieder zu erlangen, war unter dem Vorwande, einen Beſuch zu machen, ausgegangen. Zuvor hatte ſie ihren Anverwandten ihren Entſchluß mitgetheilt, Peregrine's Geſell⸗ ſchaft wegen einiger zweideutigen Züge zu vermeiden, wie ſie es nannte, die ſich verwichene Nacht auf der Maskerade ganz deutlich in ſeinem Betragen offenbart hätten. Sie wollte ihren Verdacht lieber in dieſe Winke verhüllt vortragen, als die ſchändlichen Kunſt⸗ griffe des jungen Mannes umſtändlich erzählen. Denn ſie glaubte, dadurch die Familie zur höchſten Erbitterung und Rache zu reizen.
Da ſich unſer abenteuernder Ritter in ſeiner Erwartung, ſie zu ſehen, betrogen fand, ſo erkundigte er ſich nach dem Oheim. Er glaubte, Einfluß genug auf ihn zu haben, um ſich mit Glück bei ihm rechtfertigen zu können, falls er ihn durch den Bericht der jun⸗ gen Dame gegen ſich zum Voraus eingenommen finden ſollte. Aber auch das ſchlug ihm fehl. Der Oheim ſpeiste zu Mittag auf dem Lande, und ſeine Frau war unwohl. Mithin hatte Pickle keinen Vorwand, bis zur Zurückkunft ſeiner Geliebten im Hauſe zu bleiben. An Auskunftsmitteln ſtets fruchtbar, ließ er ſeinen Wagen fortfah⸗ ren und nahm Beſitz von dem Zimmer eines Weinhauſes, deſſen Fenſter nach dem Hauſe des Kaufmanns hinaus gingen. Hier be⸗ ſchloß er, Emiliens Ankunft abzuwarten. Er führte dieſen Plan mit unermüdeter Geduld aus. Allein der Erfolg entſprach nicht ſei⸗ ner Erwartung.
Emilie, die in ihrer lobenswerthen Vorſicht überzeugt war, daß ſie ſich der Fruchtbarkeit ſeiner Einbildungskraft nicht ausſetzen dürfe,


