30
ſchrieb daher an ihre Mutter einen Brief, in welchem er ihr andeu⸗ tete, daß ihre Tochter, unter dem Vorwande, auf die Maskerade zu gehen, geſonnen ſey, ſich mit einem gewiſſen Menſchen zu verheira⸗ then. In wenig Tagen ſoll ſie die ganze Intrigue umſtändlicher erfahren, wofern ſie dieſe Nachricht ganz geheim hielte, und eine Entſchuldigung ausfindig machte, das junge Frauenzimmer zu Hauſe zu behalten, ohne daß man ihr Anlaß gäbe, zu glauben, daß man hinter die Abſicht gekommen ſey.
Dieſes Billet, welches die Unterſchrift hatte:„Ihr gutmeinen⸗ der unbekannter Freund und ergebenſter Diener“ that bei der ängſt⸗ lichen Matrone die gewünſchte Wirkung. Sie ward am Tage des Balls ſo krank, daß die Miß das Zimmer ihrer Mama nicht ver⸗ laſſen konnte, ohne offenbar den Wohlſtand zu verletzen. Sie ließ ſich daher den Nachmittag bei Emilie unmittelbar nach Peregrine's Ankunft entſchuldigen. Dieſer gab ſich die Miene, als ob ihn dieſe fehlgeſchlagene Erwartung ſehr betrübte, wiewohl ſein Herz vor lau⸗ ter Entzücken heftig pochte.
Um zehn Uhr fuhren die beiden Liebenden, er als Pantalon und ſie als Colombine gekleidet, nach dem Haymarket. Kaum waren ſie in das Haus getreten, ſo begann die Muſik, der Vorhang rollte auf, und es ſtellte ſich der erſtaunten Emilie nun mit Einem Male das ganze Schauſpiel dar. Sie fand es weit über ihre Erwartung. Nach⸗ dem unſer Held ſie durch alle verſchiedene Zimmer geführt und ihr die ganze Einrichtung daſelbſt beſchrieben hatte, brachte er ſie in den Kreis der Tanzenden.
Als die Reihe an ſie kam, tanzten ſie einige Menuets. Hierauf führte er ſie zu dem Büffet, und bewog ſie dazu, einige Confitüren und ein Glas Champagner zu ſich zu nehmen. Als ſie wieder zur Geſellſchaft kamen, nahmen ſie an Contretänzen Theil, und ſetzten dieß ſo lange fort, bis unſer abenteuernder Ritter das Blut ſeiner Tänzerin zur Ausführung ſeines Planes hinlänglich erhitzt glaubte. In dieſer Vorausſetzung, zu der er durch Emiliens Aeußerung geleitet


