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Dieſer lächerlichen Großthuerei bediente er ſich jetzt zwar zur Erreichung ſeiner Abſicht; ſie war aber in der That eine ſtarke Schwachheit an ihm, die auf ſein ganzes Betragen Einfluß hatte. Denn nichts machte ihm in der Converſation ſo viel Freude, als wenn er Gelegenheit hatte, der Geſellſchaft zu verſtehen zu geben, daß er mit Perſonen von angeſehenem Range und Charakter ſehr vertraut ſtünde.
Bei ſeiner Rückkehr mit Emilie aus der Oper beobachtete er zwar noch immer den ſtrengſten Anſtand in ſeinem Betragen, doch ſetzte er ihr mit den leidenſchaftlichen Ausdrücken der Liebe zu, drückte ihr mit der größten Inbrunſt die Hand, betheuerte, daß ihr Bild ſeine ganze Seele erfülle, und daß er ohne ihre Gewogenheit nicht leben könne.
So ſehr ihr dieſe warmen und pathetiſchen Aeußerungen behag⸗ ten, und ſo ehrerbietig ſie auch vorgetragen wurden, ſo war ſie doch klug und beſonnen genug, ihre Zärtlichkeit zurückzuhalten. Der Ge⸗ danke, daß es jetzt Pflicht für ihn ſey, ſich gegen ſie zu erklären, wenn ſeine Abſichten rechtſchaffen wären, ſchützte ſie gegen ſeine Künſte. Aus dieſer Urſache weigerte ſie ſich denn, ſeine heftigen Klagen ernſtlich zu beantworten. Sie ſtellte ſich, als ſähe ſie dieſel⸗ ben für zweckloſe Ergüſſe der Galanterie und für Früchte ſeiner Er⸗ ziehung an.
Obſchon die erheuchelte Heiterkeit und frohe Laune unſern Hel⸗ den in ſeiner Hoffnung täuſchte, von ihr ein Geſtändniß zu erhalten, woraus er unmittelbar Nutzen gezogen haben würde, ſo munterte ihn dieſes deſſen ungeachtet auf, als der Wagen längs dem Strand“ vorbei kam, zu bemerken, es ſey ſchon ſpät, und folglich das Abend⸗ eſſen gewiß ſchon vorüber, wenn ſie bei ihrem Oheim ankäme. Unter dieſem Vorwande that er ihr den Vorſchlag, ihr an einem oder dem andern Orte mit einer kleinen Erfriſchung aufwarten zu dürfen.
* Eine längs der Themſe fortlaufende Hauptſtraße.


