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Emilie fühlte ſich zwar durch dieſen freien Vorſchlag beleidigt, nahm ihn jedoch als Scherz auf, dankte ihm für ſein höfliches An⸗ erbieten und verſicherte ihn, wenn ſie je auf den Einfall käme, in einer Taverne ein Traktament einzunehmen, ſo ſollte er allein die Ehre haben, ſie zu bewirthen.
Da ſich der Oheim außer Hauſe in einer Abentgeſelſſchaft be⸗ fand, und ihre Tante ſich bereits zur Ruhe begeben hatte, ſo ward unſerem Helden das Glück zu Theil, eine ganze Stunde lang mit Emilie unter vier Angen zu ſprechen. Dieſe Zeit wußte er mit ſo ungemeiner Geſchicklichkeit anzuwenden, daß ihre Behutſamkeit bei⸗ nahe überwältigt wurde. Nicht nur mit dem ſchweren Geſchütze, mit Seufzern, Gelübden, Bitten und Thränen rückte er gegen ſie an, ſondern ſetzte auch ſeine Ehre für die Aufrichtigkeit ſeiner Liebe zum Pfande. Er ſchwur mit manchen Verwünſchungen, daß, wenn ſich ihr Herz ihm ohne alle Bedingung ergäbe, er Grundſätze hege, die ihm nie erlauben würden, eine ſolche Unſchuld und Schönheit frevent⸗ lich zu beleidigen. Ja, er hätte in den heftigen Aufwallungen ſeiner Leidenſchaft über ſein ſich ſelbſt geſetztes Ziel ſo weit hinweggeſchoſſen, daß er, wenn ſie jetzt in dieſem Drang und Sturm ſeiner Seele eine Erklärung verlangt hätte, ſich durch ſolche Bande an ſie gefeſſelt ha⸗ ben würde, die er nicht hätte zerreißen können, ohne ſeinen guten Namen aufzuopfern. Doch davon ſchreckte ſie theils Stolz, theils die Beſorgniß ab, ſie möchte finden, daß ſie ſich in einer Muth⸗ maßung von ſolchem Belange geirrt hätte. Sie genoß daher des gegenwärtigen ſchmeichelhaften Anſcheins ihres Schickſals, und ließ ſich zur Annahme des Schmucks bereden, den er von einem Theile ſeines Spielgewinnſtes zu Bath gekauft hatte. Mit der bezauberndſten Herablaſſung verſtattete ſie ihm beim Abſchiednehmen eine feurige Umarmung. Zuvor hatte ſie ihm die Erlaubniß ertheilt, ſie ſo oft beſuchen zu dürfen, als Neigung und Umſtände es ihm geſtatten würden.
Bei ſeiner Heimkehr ſchwellte ſein glücklicher Erfolg ſeine Bruſt


