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Mit dieſem Entſchluß bewaffnet, hielt er ſein ungeduldiges Tempera⸗ ment in den Grenzen des delikateſten Betragens zurück. Nachdem er nun um die Erlaubniß, ſie in die nächſte Oper begleiten zu dürfen, angeſucht und ſie erhalten hatte, ergriff er ihre Hand, drückte ſie auf's Ehrerbietigſte an ſeine Lippen, ging fort und verließ ſie in dem höchſt ſonderbaren Zuſtande der Ungewißheit. Mächtige Hoff⸗ nung wechſelte mit eben ſo mächtiger Furcht in ihrer Seele.
An dem verabredeten Tage erſchien er um fünf Uhr Nachmittags. Er fand ihre natürlichen Reize durch einen höchſt geſchmackvollen Anzug ſo gehoben, daß er ſich von Bewunderung und Entzücken ganz hingeriſſen fühlte. Kaum konnte er, als er ſie nach dem Haymarket führte, ſeine ungeſtüme Leidenſchaft ſo im Zügel halten, daß er nach den einmal angenommenen Maximen zu handeln im Stande war. Als er in das Schauſpielhaus trat, bekam ſeine Eitelkeit befriedigende Nahrung in Ueberfluß. Denn in einem Augenblick verdunkelte ſie den weiblichen Theil der Zuhörerſchaft. Jede davon geſtand in ihrem Herzen, daß die Fremde bei Weitem die Schönſte in der Verſamm⸗ lung ſey, ſie ſelbſt ausgenommen.
Unſer Held genoß hier eines doppelten Triumphs. Er war ſtolz auf dieſe bequeme Gelegenheit, ſeinen Ruf in der Galanterie unter den Ladies zu erhöhen, mit denen er bekannt war, und brüſtete ſich damit, im Stande zu ſeyn, Emilie ſeine Bekanntſchaft mit Stan⸗ desperſonen auf einmal zeigen zu können. Dadurch ſollte ſie ſich von ihrer Eroberung an ihm höhere Begriffe machen, und gegen eine ſo wichtige Perſon in der Folge mehr Nachgiebigkeit beweiſen.
Um aus ſeiner gegenwärtigen Lage den möglichſten Nutzen zu ziehen, ging er hin, redete Jeden an, mit dem er nur die mindeſte Bekanntſchaft hatte, und lachte und flüſterte ihm mit einem vertraulichen Weſen etwas zu. Er verbeugte ſich ſogar von Weitem gegen Einige vom hohen Adel, mit denen er auf keinem nähern Fuß ſtand, als daß er bei Hofe einmal ihr Nachbar geweſen, oder ihnen in White's Caffeehauſe eine Priſe Tabak angeboten hatte.


