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zu entgehen, zumal er zur Hereinkunft gerade eine Zeit gewählt hatte, wo Jedermann ſeinen Eintritt bemerken mußte; ich meine, wo das ganze Haus in ſtiller Aufmerkſamkeit auf die Vorſtellung lauſchte.
Emilie nahm daher unſern Helden ſogleich wahr, errieth aus der Richtung ſeines Guckers, daß er ſie entdeckt habe, und ſein plötz⸗ liches Verſchwinden aus der Loge ließ ſie ſeine Abſicht muthmaßen.“ Sie raffte daher alle ihre Standhaftigkeit zuſammen, und bereitete ſich, ihn zu empfangen. Er nahte ſich ihr mit einem lebhaften und frohen Weſen, das er aber durch Beſcheidenheit und Ehrerbietung mäßigte. Mit einer dem Schein nach achtungsvollen Verbeugung äußerte er ſein Entzücken, ſie wieder zu ſehen. Wiewohl ſie an die⸗ ſem unerwarteten Benehmen ungemeines Behagen fand, ſo unter⸗ drückte ſie dennoch die Regungen ihres Herzens, und beantwortete ſeine Artigkeiten mit erheuchelter Ruhe und Unbefangenheit; ſie zeigte den heitern Blick, den man wohl zu haben pflegt, wenn man von ungefähr mit einem gleichgültigen Bekannten zuſammentrifft.
Nachdem Pickle nach ihrem Geſundheitszuſtand gefragt hatte, erkundigte er ſich angelegentlich nach dem Befinden ihrer Mutter und der Miß Sophie. Er gab ihr zu verſtehen, er wäre kürzlich mit einem Briefe von Geoffry beehrt worden, und ſey wirklich ge⸗ ſonnen geweſen, morgenden Tages abzureiſen und Miſtriß Gauntlet zu beſuchen. Da er aber jetzt das Glück habe, ſie anzutreffen, ſo wolle er dieſe Reiſe aufſchieben, bis er das Vergnügen haben würde, ſie auf das Land zu begleiten. Nachdem ſie für dieſes höfliche Aner⸗ bieten gedankt hatte, erzählte ſie ihm, daß ihre Mutter in wenigen Tagen in der Stadt erwartet würde, und daß ſie ſelbſt vor einigen Wochen nach London gekommen ſey, um ihre Tante zu pflegen, die gefährlich darnieder gelegen habe, jetzt aber ziemlich wieder herge⸗ ſtellt ſey.
Wenn ſich nun auch das Geſpräch während des Stücks auf ver⸗ ſchiedene allgemeine Gegenſtände richtete, ſo nahm Pickle doch jeden


