20
über die Abweſenheit ſeines Freundes Geoffry zu frohlocken, der ſich mit ſeinem Regimente in Irland befand, folglich nicht in ſein Vor⸗ haben eindringen oder Maßregeln nehmen konnte, ſeine laſterhafte Abſicht fehlſchlagen zu machen. In dieſen heldenmüthigen Geſinnun⸗ gen beſchloß er, in ſeinem Wagen mit Sechſen in Begleitung ſeines Kammerdieners und zweier Lakaien nach Suſſer abzureiſen. Er ſah jetzt ein, daß er bei ſeinem letzten Verſuche die Sache ganz verkehrt angegriffen hatte; daher beſchloß er, die Batterie zu verändern, und die Feſtung durch das unterthänigſte, ſanfteſte und einſchmeichelndſte Betragen zu unterminiren.
Am Abend vor der Ausführung dieſes Beſuches ging er, wie gewöhnlich, in das Schauſpielhaus, um ſich den Damen zu zeigen. Als er in die Loge trat, muſterte er die Verſammlung durch ſein Glas, aus keiner andern Urſache, als weil es Ton iſt, kurzſichtig zu ſeyn. Da erblickte er ſeine Gebieterin auf einem Sitze über dem Theater in einem ſehr einfachen Anzuge. Sie ſprach mit einem jungen Frauenzimmer von nicht beſonders gefälligem Aeußeren. Wiewohl ſein Herz mit der heftigſten Ungeduld beim Anblick ſeiner Emilie zu pochen begann, ſo ward er doch auf einige Minuten zu⸗ rückgeſchreckt, dem Antriebe ſeiner Liebe zu folgen. Er beſorgte, einige vornehme Damen, die gegenwärtig waren, möchten eine ſchlechte Meinung von ihm bekommen, wenn ſie ſähen, daß er einer Perſon von ihrem Anſehen Achtung bewieſe. Auch ſelbſt ſeine heftige Nei⸗ gung würde ſeinen Stolz nicht ſo weit überwältigt haben, daß er zu Emilie hinauf gegangen wäre, wenn er ſich nicht beſonnen hätte, daß ſeine vornehmen Freundinnen ſie für eine hübſche Abigail an⸗ ſehen würden, mit der er in einem Liebesverſtändniſſe wäre, und ihm auf dieſe Art die Sache würden hingehen laſſen.
Durch dieſe letztere Vermuthung angeregt, folgte er den Ein⸗ gebungen der Liebe und flog nach dem Platz, wo ſeine Schöne ſaß. Sein Benehmen ſowohl als ſeine Kleidung waren ſo auffallend, daß es ihm beinahe unmöglich war, den Augen aufmerkſamer Beobachter


