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Schlafs, der die tobenden Lebensgeiſter zu dämpfen pflegt, hatten ihn faſt bis zu dem Gipfel des Wahnſinns geführt.
Indem er dieſe wüthenden Reden ausſtieß, ſchoſſen ihm die Thränen über die Wangen, und ſein Inneres befand ſich in ſolchem Aufruhr, daß das Herz der ſchönen Flamländerin durch ſeinen Zu⸗ ſtand gerührt ward. Ströme der Sympathie bedeckten ihr Antlitz; ſie bat ihn um des Himmels willen, er möge ſich beruhigen, und ver⸗ ſprach, um ihn zufrieden zu ſtellen, von ihrem ſtrengen Entſchluſſe etwas nachzulaſſen. Durch dieſe freundliche Zuſicherung beſänftigt, faßte er ſich wieder. Er zog ſeinen Bleiſtift heraus, und ſchrieb ihr ſeine Adreſſe auf. Sie verſicherte ihn dagegen, daß er längſtens vierund⸗ zwanzig Stunden nach ihrer Trennung von ihr hören ſollte.
So geſtärkt bekam er wieder die Herrſchaft über ſich ſelbſt und auch allmählig ſein heiteres Geſicht. Das war nicht der Fall bei ſeiner Ge⸗ liebten. Nach dieſem vollſtändigen Beweiſe ſeines heftigen Tempera⸗ mentes fürchtete ſie ſich vor ſeinem jugendlichen Ungeſtüm und ward in der That völlig abgeſchreckt, ſich in irgend eine Verbindung einzu⸗ laſſen, durch welche ihre Ruhe und ihr Ruf den raſchen Ausbrüchen eines ſo feurigen Geiſtes unterworfen ſeyn würden. So ſehr ſie auch von ſeiner Geſtalt und ſeinen Vollkommenheiten eingenommen war⸗ ſo hatte ſie doch Ueberlegung genug, um vorauszuſehen, je länger ſie ſeine Liebe unterſtützte, je unauflöslicher würde ſich ihr Herz an ihn ketten, und die Ruhe ihres Lebens auf immer verloren ſeyn.
Dieſe Betrachtungen und eine Regung gewiſſenhafter Ehre, die ihr den Eingebungen ihres Herzens widerſtehen half, machte ſie ſich zu Nutze, und beſchloß, ihren Liebhaber ſo lange mit falſchen Hoff⸗ nungen hinzuhalten, bis es in ihrer Macht ſtünde, ſeinen Umgang zu meiden, ohne daß ſie Gefahr liefe, durch die unbedachtſamen Aus⸗ brüche ſeiner Liebe an ihrem guten Namen zu leiden. In dieſer Abſicht wünſchte ſie, als die Diligence in Brüſſel angelangt war, daß er ſie nicht bis zu ihrer Mutter Haus begleiten möchte. Durch ihren Kunſtgriff geſchmeichelt, nahm er ſowohl von ihr als von den


