ſcheiden, ob der ſcherzhafte Aufſatz den Sie aus Schäkerei einen unglücklichen Brief zu nennen belieben, in Verſen oder in Proſa ab⸗ gefaßt war. Doch der Spaß dünkt mich zu alt, um wieder auf's Tapet gebracht zu werden.“ Mit dieſen Worten trippelte ſie zu ihrer Gefährtin und ließ ihren Liebhaber in der peinlichſten Ungewißheit ſtehen.
Er ſah nunmehr ein, daß der Geringſchätzung ſeines Schreibens aus Wincheſter ein Geheimniß zu Grunde liegen müſſe, das ihm unbegreiflich war; und ſie fing an, zu muthmaßen und zu hoffen, daß der Brief, den ſie erhalten hatte, ein unterſchobener ſey; wie⸗ wohl ſie die Möglichkeit nicht begreifen konnte, da ſein eigener Be⸗ dienter ihr ihn eingehändigt hatte. Indeß beſchloß ſie, es ihm zu überlaſſen, die Sache an's Licht zu ziehen; denn ſie wußte, daß er, ſowohl zu ſeiner als zu ihrer Befriedigung, ſich deßhalb die erſinn⸗ lichſte Mühe geben würde.
Sie betrog ſich in ihrer Erwartung nicht. Er kam an der Treppe wieder zu ihr und bat dringend um Erlaubniß, die Damen nach Hauſe bringen zu dürfen, da ſie keinen Begleiter hätten. Emilie merkte ſeine Abſicht, die keine andere war, als ihre Wohnung zu erfahren; und obgleich ſie ſeine Liſt billigte, ſo hielt ſie es doch zur Aufrechthaltung ihrer Würde für Pflicht dieſe Höflichkeit abzulehnen. Sie dankte ihm demnach für ſein höfliches Anerbieten, wollte aber ſchlechterdings nicht geſtatten, daß er ſich ſo unnöthige Mühe mache, zumal da ſie nur einen ſehr kurzen Weg zu gehen hätten.
Er ließ ſich jedoch durch dieſe Weigerung nicht abweiſen, weil er deren Veranlaſſung wohl einſah, und ihr war es nicht zuwider, daß er auf ſeinem Entſchluß beharrte. Mithin begleitete er ſie nach Hauſe, und machte unterwegs verſchiedene Verſuche, mit Emilien insgeheim zu ſprechen; allein ſie, die eine kleine Anlage zur Kokette hatte, und entſchloſſen war, ſeine Ungeduld noch mehr zu ſtacheln, wich ſchlau ſeinen Bemühungen aus, indem ſie ihre Gefährtin be⸗ ſtändig in die Unterredung zog, die das ehrwürdige Anſehen und die


