55
Nach der Disenſſion dieſes wichtigen Artikels ſtattete Hatchway am nächſten Morgen einen Beſuch bei der verzweifelnden Schäferin ab, und wurde von ihr für die angenehme Zeitung, mit welcher er ihr Ohr erquickte, höchſt artig aufgenommen. So krank ſie auch war, konnte ſie doch nicht umhin, über den luſtigen Anſchlag herzlich zu lachen, durch welchen ihr Dämon war zur Einwilligung gebracht worden. Für den Tom Pips, weil er in dieſer Comödie eine wichtige Rolle geſpielt hatte, händigte ſie dem Lieutenant zehn Guineen ein.
Nach dem Mittageſſen ließ es ſich der Commodore gefallen, daß man ihn, wie einen Delinquenten zum Schaffott, nach ihrem Zimmer führte. Sie empfing ihm mit einem ſchmachtenden Weſen und in einem reizenden Neglige in Beiſeyn ihrer Schwägerin, die aus ſehr begreiflichen Gründen um einen glücklichen Erfolg ſehr beſorgt war. Ob ihm gleich der Lieutenant ſattſam eingeſchärft hatte, wie er ſich bei dieſer Zuſammenkunft zu benehmen habe, ſo ſchnitt er doch tauſenderlei ſaure Geſichter, ehe er die einfache Gruß⸗ frage:„Wie befinden Sie ſich?“ herausbringen konnte. Sein Geheimerrath ſpornte ihn zum Reden an, wiſperte ihm wohl zwanzig bis dreißig Mal etwas zu, er aber antwortete immer überlaut: „Straf' mich Gott, ich thu's nicht.“ Endlich ſtand er auf, hinkte nach dem Sopha, in deſſen Kiſſen die Dame voll ſeltſamer Erwar⸗ tung ſich hingeſenkt hatte, ergriff deren Hand und drückte ſie an ſeine Lippen. Dieſes Galanterieſtückchen führte er aber mit einem ſo ſträubenden, plumpen und unwilligen Weſen aus, daß die Donna all' ihrer Entſchloſſenheit bedurfte, um nicht davor zurückzuſchaudern. Er ſelbſt ward über ſein eigenes Thun ſo betreten, daß er ſich ſo⸗ gleich an das andere Ende des Zimmers zurückzog. Hier ſaß er ganz ſtill und ſprachlos, und glühte vor Scham und Unmuth.
Miſtriß Pickle, als eine verſtändige Frau, verließ unter dem Vorwande, in die Kinderſtube zu gehen, das Zimmer, und Hatchway, der dieſen Wink verſtand, erinnerte ſich, ſeine Tabaksdoſe im Vor⸗


