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Zweites Kapitel.
Er wird mit den Charakteren des Commodore's Trunnion und ſeiner Spießgeſellen bekannt, trifft mit ihnen zuſammen und es bildet ſich ein intimes Verhältniß.
Dieſer geſchwätzige Wirth lieferte ihm ſogleich Skizzen von allen nur möglichen Leuten in der Grafſchaft. Unter andern ſchil⸗ derte er ihm auch ſeinen nächſten Nachbar, den Commodore Trun⸗ nion, ein ganz abſonderliches Eremplar.
„Der Commodore und Ew. Geſtrengen,“ ſagte er,„werden in Kurzem Ein Herz und Eine Seele ſeyn. Er hat Geld wie Heu und iſt ſpendabel wie ein Fürſt, das heißt aber ſo ganz auf ſeine eigene Manier. Denn er iſt, wie man's zu nennen pflegt, ſo ein bischen ein wunderlicher Kauz, der das Blaue vom Himmel herunter⸗ flucht; aber ich wollte einen heiligen Eid darauf ſchwören, daß er ſich dabei ſo wenig Arges denkt, wie ein Kind an der Mutter Bruſt. Es würde eine veritable Herzſtärkung ſeyn, wenn ihn Ew. Geſtrengen einmal die Hiſtorie erzählen hörten, wie er ein Rencontre mit einem Franzoſen hatte, Raa an Raa und Bord an Bord, und wie er ihm— daß Gott erbarm!— Kartätſchen, Stinktöpfe Krä⸗ henfüße, Drathkugeln und Enterhaken in's Schiff hineinwarf. Er war zu ſeiner Zeit ein Soldat comme il faut, und hat auch in dem Dienſte ſeiner Majeſtät ein Auge und eine Ferſe eingebüßt.— Dann lebt er nicht wie irgend eine andere Chriſtenſeele von uns Landratten, wie er uns zu nennen pflegt, ſondern er hat Beſatzung im Hauſe, als wäre er mitten in Feindes Land, und ſeine Leute müſſen des Nachts heraus, und Jahr aus Jahr ein Schildwache ſtehen, wie er's nennt. Um ſein Haus rum geht ein Graben, über welchen eine Zugbrücke führt, und auf ſeinem Hofe ſtehen ein paar Böller, die beſtändig mit Blei geladen ſind. Die Aufſicht darüber


