260
des Lebens verdorren? Willſt Du meine Träume des Ichts in Dunkelheit und Verzweiflung ver⸗ wandeln? Die Zukunft, Ellen, hängt von Dir ab — ein Wort kann ſie in ein Poaradies oder in eine Wüſte verwandeln.“
„Darf ich— ſoll ich, Redmond, ſelbſtfüchtig auf die Eingebungen meines ſchwachen, willigen Herzens hören, und ein ſo großes Opfer anneh⸗ men— ich, ein armes Landmädchen?“
„Iſt nicht Phelim ſchon mein Bruder?“ ſagte unſer Held, ſie unterbrechend,„und hat ſich Euere Mutter nicht auch mir als eine ſolche bewieſen? Weß⸗ halb ſollte dann nicht die Schweſter meines Bru⸗ ders und das Kind meiner Mutter meine Gattin werden? Mein Herz iſt nicht der Art, daß es ſich ändert; es wird keine zweite Lebe kennen lernen; prüfe es durch Abweſenheit— durch die Zeit— durch was immer Du willſt; aber treibe mich nicht zr Verzweiflung. Willſt Du die werden? Die Meinige im Angeſichte des Himmels?“
Kein Ohr, außer dem eines Liebhabers, hätte die mehr gehauchten, als geſprochenen Worte ge⸗ hört, in welchen das bewegte Mädchen ihre Treue dem Manne verpfändete, dem ſie ſchon lange ihre Liebe zugewendet hatte. Ehe noch das letzte Wort ihren zitternden Lippen entſchlüpft war, hatte ihr Liebhaber ſie mit den Armen umfaßt und die Thrä⸗ nen von ihren erröthenden Wangen weggeküßt.
„Meine arme Mutter!“ ſeufzte Ellen.
„Ganz recht!“ ſprach unſer„Laß uns dieſe aufſuchen; es darf zwiſchen dieſer und ihrem Pflegeſohn nichts geheim bleiben.“


