Nur eine Franzöſin konnte an ſo etwas denken.
Als das Billet in das Karmeliterkloſter ge⸗ langte, war die erſte Empfindung der Miß Mac⸗ namara das innigſte Mitleid mit ihrer Freundin.
„Arme Julie,“ rief ſie ſeufzend aus,„wie ſchmerzlich mußte ihr liebevolles Herz ergriffen ſein und wie groß iſt ihre Freundſchaft, daß ſie in einem ſochen Augenblick an mich denken konnte.“
Schweſter Louiſe lächelte ungläubig.
„Meine Vorſtellung muß natürlich jetzt ver⸗ ſchoben werden,“ fügte ihr Gaſt bei.
„Aus dieſem Grunde keineswegs,“ bemerkte die königliche Nonne.„Halten Sie ſich zur feſtgeſetz⸗ ten ei parat. Es wird nicht an einer Freundin fehlen, die Sie dem Könige vorſtellen wird.“ Ludwig XV. hatte ſich jenes Ebenmaaß des Körpers, welches ihn in ſeiner Jugend ausgezeich⸗ net hatte, bis in ſeine ſpäteſte Lebensperiode er⸗ halten. Obgleich aber ſeine Geſtalt keine Spur des Alters verrieth, hatten Zeit und Ausſchweifung arge Verwüſtungen auf ſeinem einſt ſo ſchönen Antlitz angerichtet— Verwüſtungen, welche Seine Majeſtät vergebens durch Anwendung von Schön⸗ heitsmitteln und Schminke aller Art zu verbergen ſuchte, da dieſe nur dazu beitrugen, die Ruine noch auffallender zu machen.
Als der königliche Wüſtling in den Jahren vor⸗ rückte, ermüdete ihn die überladene Pracht von Verſailles und ſeit lange ſchon empfing er, außer bei großer Gala und ganz feierlichen Gelegenhei⸗ ten, nicht mehr in den großen Gemächern des Schloſſes, ſondern in den Zimmern, die mit der
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