„Ja, ja,“ unterbrach ſie Herr v. Sartines, „wir wiſſen dieß alles. Eine Indiscretion der Art wird eine Perſon, die Seiner Majeſtät mit Recht theuer iſt, ſehr beleidigen. Madame verſte⸗ hen mich?.
Die Dame erwiderte mit einem leiſen„Ja“.
„Und werden ablehnen?“.
„Iſt dieß ein Befehl?“
„Es gibt Wünſche die Befehle ſind,“ erwiderte ihr Beſucher betonend.
Frau v. Beaufremont verſtand ihn vollkommen, ſie ſetzte ſich deßhalb hin und ſchrieb eiligſt fol⸗ gendes Billet an ihre ſüße Freundin:
„Ma pelle,— ich bin in Verzweiflung; meine Hand zittert und meine Thränen machen mich faſt vlind. Ich weiß nicht, was ich ſchreibe. Meine Schweſter, die Marſchallin d Aubigny liegt im Sterben auf ihrem Schloſſe in der Picardy. Ich eile, ſie zu tröſten. Bemitleiden Sie mein zerriß⸗ nes Herz. Ewig die Ihrige
Beaufremont.“
„Sind Sie zufrieden geſtellt?“ fragte ſie, ihrem Beſucher das Billet einhändigend.
„Vollkommen. Es könnte nicht beſſer ſein.“
Ehe die Prinzeſſin ſiegelte, goß ſie einige Tro⸗ pfen Roſenwaſſer auf das Papier.
Herr v. Sartines ſah ſie erſtaunt an.
„Sie vergeſſen,“ ſprach die Dame lachend,„daß ich während des Schreibens in Thränen zerfloß.“
Der Miniſter entfernte ſich mit einer ſehr ho⸗ gn Meinung von dem ausgezeichneten Takte der rinzeſſin.


