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Aber weislich hat der Himmel in ſeiner Gnade einen dichten Schleier über die Zukunft geworfen und dem Menſchen vergönnt, das Glück des Augen⸗ blicks zu genießen, ohne zu ahnen, welches Unheil ihm vielleicht ſchon die nächſte Stunde bringt.
Wie raſch entflieht die Zeit, wenn man an der Seite derjenigen ſitzt, die man liebt! Es iſt ſchwer zu ſagen, wie lange die Liebenden noch ihren glück⸗ lichen Träumereien Folge gegeben hätten, wenn nicht Meg, der Gräfin Kammerjungfer, im Zimmer erſchie⸗ nen wäre, um den Schweſtern zu ſagen, daß Mitter⸗ nacht geſchlagen habe; daß ihre Tante bereits ſich zur Ruhe begeben habe und daß ſie bereit ſei, ſie zu bedienen.
Die jungen Männer verwünſchten innerlich die Rabenſtimme, welche ſie aus ihrer Entzückung riß.
„Ich wäre ſchon früher gekommen,“ fuhr die alte Jungfer fort,„wenn ich nicht Sir Allans Zimmer herzurichten gehabt hätte. Es war keine kleine Auf⸗ gabe für einen Chriſtenmenſchen, daſſelbe ordentlich in Stand zu ſetzen, denn es hat ſeit dreißig Jahren Niemand darin geſchlafen.“
„Wie ſo!“ bemerkte Alice erſtaunt,„ich glaubte doch, es gäbe Zimmer genug hier in Schloß Arran.“
„Allerdings, allerdings; aber es iſt eine Laune meiner Lady, daß Sir Allan im Zimmer des Earl ſchlafen ſoll. Ein ſchlimmes Zeichen; aber es ziemt mir nicht, ihr zu widerſprechen. Wenn Sie bereit ſind, will ich Sie begleiten,“ ſetzte ſie mit einem Knix gegen den Baronet hinzu;„und wenn Ihr Schlaf geſtört wird, ſo liegt die Schuld nicht an mir.“


