Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

195

Es gibt aber etwas, liebe Tante, das noch höher ſteht als Ländereien und Reichthum, bemerkte die Nichte.

Und was iſt dieß? fragte die Gräfin trocken.

Die Ehre, erwiderte das Mädchen erröthend. Ich beſchwöre Sie, den grauſamen Befehl zu widerrufen. Ich bitte Sie nicht, die Sache Carls zu unterſtützen. Sie haben ſchon zu viel darunter gelitten. Bleiben Sie aber wenigſtens, eingedenk des Verſtorbenen, neutral in dem Kampfe. O! wenn ich ein Mann wäre! ſetzte ſie hinzu.

Da Du aber ein Mädchen, und zwar ein ſehr junges biſt, erwiderte Lady Arran freundlich,ſo willſt Du verſtändigere Köpfe als der Deinige leiten. Soll ich Deine und Deiner Schweſter Erbſchaft auf's Spiel ſetzen, indem ich mich in dieſe ſauberen Ge⸗ ſchichten miſche? Nein, nein; ich hatte Mühe ge⸗ nug, die alten Baronien zu retten. Dieſe will ich nicht noch einmal riskiren, dafür ſtehe ich.

Gibt es aber eine reichere Erbſchaft als die Ehre? fragte Alice.

Die Gräfin blickte das ſchöne Mädchen einige

ſinuten lang mit einer Empfindung an, in welcher ſich Stolz mit Verwunderung miſchte. Dann zog ſie ſie ſanft an ſich heran, und indem ſie zugleich Con⸗ ſtance bedeutete, auf dem Kiſſen neben ihrem Stuhl Platz zu nehmen, flüſterte ſie ſanft:

Der Clan wird mir nicht gehorchen, das weiß ich zum Voraus; ich will auch gar nicht, daß er mir gehorchen ſoll. Merkt ihr denn nicht, daß ich durch die Befehle, die ich ſo eben ertheilt, Arran vor den Sachſen rette, und den armen, ver⸗